Poetische Sprache

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Auf der abgelegenen Shetlandinsel Muckle Flugga lebt der junge Ouse gemeinsam mit seinem Vater, dem letzten Leuchtturmwärter der Insel. Seit dem Tod der Mutter ist ihr Zuhause von Einsamkeit, Härte und unausgesprochener Trauer geprägt. Als der lebensmüde Schriftsteller Firth auf die Insel kommt, entwickelt sich zwischen Ouse und Firth eine vorsichtige freundschaftliche Nähe, die für Ouse plötzlich die Frage eröffnet, ob sein Leben vielleicht auch anders aussehen könnte als der von seinem Vater für ihn vorgesehenen Weg.
Ich fand die Figurenzeichnung richtig stark. Alle drei Protagonisten handeln aus ihrer jeweiligen Situation heraus vollkommen nachvollziehbar. Gerade das machte den Roman für mich emotional greifbar. Selbst Ouses Vater, dessen Verhalten oft grausam und verletzend ist, blieb für mich keine eindimensionale Figur. Man spürt seine Überforderung, seine Angst vor Verlust, die alles überschattende Trauer um seine Ehefrau und dieses verzweifelte Festhalten an einer Welt, die längst zerbricht. Zustimmen konnte ich ihm deshalb noch lange nicht, verstehen aber durchaus.
Auch Firth empfand ich als unglaublich authentisch beschrieben. Dieser erschöpfte, am Leben zweifelnde Mann, der auf die Insel reist, um dort eigentlich zu sterben, wirkte auf mich nie künstlich dramatisch, sondern erschreckend echt. Gerade in der Eingangsszene, als er kurz vor einem Selbstmordversuch steht, ist sein Gedankenkarussell extrem fühlbar.
Worüber ich nun unbedingt mehr schreiben mag, ist die von Michael Pedersen verwendete Sprache. Er schreibt voller Wucht, voller Bilder und mit einer beinahe überbordenden Poetisierung. Viele Sätze sind wunderschön, manche Passagen haben mich wirklich beeindruckt. Gleichzeitig war genau das für mich manchmal auch anstrengend. Teilweise war die Sprache so kunstvoll und metaphorisch aufgeladen, dass ich Szenen mehrfach lesen musste, um überhaupt ganz zu erfassen, was gerade geschieht. Ein wirklicher Lesefluss entstand dadurch für mich nicht immer.
Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die Sprache die Handlung etwas überdeckt, obwohl ich die Geschichte dahinter eigentlich sehr mochte.