Reisende in der Wildnis dieser Welt

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biancaneve_66 Avatar

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Ein hartherziger Leuchtturmwärter und sein sonderbarer Sohn Ouse sind seit dem Tod der Mutter die einzigen Bewohner von Muckle Flugga, der nördlichsten Shetland-Insel. Ouse strickt farbenfrohe Pullover und sein einziger Freund ist der Geist des Schriftstellers Robert Louis Stevenson. Der schwermütige Autor Firth aus Edinburgh mietet eine Hütte auf der Insel. Er will den Lieblingsvogel seines Großvaters finden und danach sein Leben beenden. Als er an diesem magischen Ort Ouse und sein künstlerisches Talent kennenlernt, freundet er sich mit dem Jungen an, und will ihn mit nach Edinburgh nehmen. Durch das Tauziehen zwischen Vater und Firth scheint ein Sturm über Muckle Flugga zu entstehen …
Das Cover ist großteils in den schottischen Nationalfarben weiß und blau gehalten. Ein Leuchtturm sticht aus den mächtigen Wolken hervor, die sich bis auf die Rückseite des Buchs ausbreiten. Schon der Prolog bringt einem die extremen Lebensbedingungen der nördlichsten bewohnten Insel des Königreichs näher. Bereits hier fällt der markante Schreibstil des Autors auf, der sich in sämtlichen folgenden Kapiteln fortsetzt.
Pedersen spielt geradezu mit den Wörtern, Seine Sprache ist sehr bildhaft, an vielen Stellen poetisch, an anderen – vor allem wenn es um den alten Leuchtturmwärter geht – oft derb. Ausnahmslos fesselt einen aber jeder Satz dieses Romans. Die Übersetzung dieser Geschichte war sicher nicht einfach; gerade auch was die ausgesprochenen Wörter des Vaters betrifft, der im Dialekt spricht (und manchmal auch denkt). Ich kann nicht beurteilen, ob etwas vom Gemeinten verloren gegangen ist, aber alles, was in diesem Buch zu lesen ist, zeugt von einer überwältigenden Wortgewalt und überzeugt auch vollkommen in der deutschen Übersetzung von Stephan Kleiner.
Die gesamte Geschichte wird aus Sicht von den drei Hauptpersonen Ouse, Vater und Firth wiedergegeben. Dies geschieht entweder rein durch Ihre Gedanken oder in Dialogen. Jeder der drei hat eine Geschichte hinter sich, und dadurch auch eine eigene Art Dinge zu tun oder auf unterschiedliche Art darauf zu reagieren. Das Verhältnis der Personen untereinander ist ein wichtiger Aspekt in diesem Werk; genau wie die Beschreibungen der Insel, der Natur oder Ouses Bibliothek. Viel wichtiger als die Geschichte ist in diesem Roman aber die beeindruckende Sprache. Dieser außergewöhnliche Sprachstil verleiht dem Buch eine Qualität, die man tatsächlich – leider - nicht oft antrifft.