Sprachgewaltige Meditation über Einsamkeit

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gtotter Avatar

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Erster Eindruck: Wow. Was für ein wunderschönes Buch. Es fühlt sich verdammt gut an dieses Buch in der Hand zu halten, über den bedruckten Einband zu streichen. Sogar ein Lesebändchen ist dabei.
Das Team von Dumont hat keine Kosten und Mühen gescheut und für mich das optisch schönste Buch seit Jahren drucken lassen. Sogar in Deutschland gedruckt.

Inhaltlich wurde ich mit der „Letzte Leuchtturm“ leider weniger schnell warm. Es ist kein Buch für ungeduldige Leser. Die Erzählung zieht sich meist zähflüssig wie Sirup. Hin und wieder schimmert große Erzählkunst durch wie Gold. Aber wirklich viel passiert nicht.

Auf der Insel leben und lediglich der Leuchtturmwärter und sein Sohn. Beide in ihrer eigenen Welt. Ouse, der Sohn, fängt sogar an aus Einsamkeit und Ermangelung an Freunden mit dem „Geist“ des verstorbenen Autors Robert Louis Stevenson zu sprechen. Wobei dieser, meist nur RLS genannt, hauptsächlich in Rätseln spricht, also kein allzu guter Ratgeber ist.

„Der letzte Leuchtturm“ entpuppt sich als Meditation über Einsamkeit und fehlender Verbundenheit. Dem Gegenüber steht Pedersens ausladende, bildliche, poetische Sprache. Vor allem für die Figur des Ouse findet Pedersen zärtliche Worte. Auch Firth, der als Beobachter auf die Insel kommt ist psychologisch interessant. Aber er wird vom Autor weitaus weniger wohlwollend beschrieben und vom Erzähler anfangs sogar beschimpft.

Pedersen begeht hier ein erzählerisches Wagnis, das für viele Leser nach hinten losgeht. Während er die äußere Welt – die raue Insel, den Nebel, die Kulisse – mit lyrischem Aufwand ausmalt, bleiben die Menschen darin seltsam schemenhaft. Emotional mitreißen konnte mich erst das letzte Drittel. Da passiert auch endlich mal was und der Autor zeigt wozu er imstande ist: Nicht nur lyrisch zu glänzen sondern auch Szenen zu schaffen die in Erinnerung bleiben.

Als Debütroman ist „Der letzte Leuchtturm“ beachtlich. Pedersen ist jemand der Sprache liebt, gut mit Sprache kann und für jeden seiner Figuren auch eine eigene Ausdrucksweise findet. Etwas, das ich in Büchern junger Autoren zumeist schmerzlich vermisse. Die Geschichte selbst konnte mich wie gesagt anfangs nicht packen. Liegt aber auch am Schauplatz, das Leben auf einer abgelegenen Insel ist nun mal eintönig.

Ich schwanke zwischen 3 und 4 Punkten.