Tolle Atmosphäre

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cathie19 Avatar

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Vater, Sohn und Leuchtturm – so lässt sich das Leben auf der abgelegenen Insel Muckle Flugga wohl am besten zusammenfassen. Alle drei besitzen dabei ihren ganz eigenen Charakter.

Der Vater verkörpert, fast schon klischeehaft, den klassischen Leuchtturmwärter: wortkarg, von harter Schale, und seit dem Tod seiner Frau in sich zurückgezogen. Auch seinem Sohn begegnet er mit Strenge und wenig Wärme.

Der Sohn hingegen ist sensibel, naturverbunden und künstlerisch begabt. Er entwirft kunstvolle Muster für Pullover und Schals und hat gelernt, mit seinem Vater und dem abgeschiedenen Leben auf der Insel klarzukommen.

Der Leuchtturm selbst, zusammen mit der Insel, wirkt wie ein Bollwerk gegen das aufgewühlte Meer, das hier seine Kraft sammelt, bevor es auf das schottische Festland trifft. Die raue See hat nicht nur das Land, sondern auch seine Bewohner geformt.

Dieses geordnete Leben gerät aus dem Gleichgewicht, als Firth, ein lebensmüder Autor, als Hausgast auf die Insel kommt. Sein Aufenthalt stellt nicht nur das Leben der Inselbewohner auf den Kopf, sondern verändert auch ihn selbst auf unerwartete Weise.

Die Sprache des Romans ist literarisch und besonders, dabei aber weder anstrengend noch überfordernd. Der Text liest sich fließend und harmonisch, und die Handlung fügt sich perfekt in diese sprachliche Form. Besonders beeindruckt hat mich, wie eindringlich die Atmosphäre eingefangen wird – man kann die Insel, den Wind, das Meer und die Figuren förmlich spüren.
Insgesamt ist das Buch eher ruhig und unaufgeregt erzählt, entfaltet aber gerade dadurch eine besondere Tiefe und Wirkung.