Vom Gehen oder Bleiben

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brigitteb Avatar

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Muckle Flugga: nördlichste bewohnte Insel Grossbritanniens. Sturmumtost trotzt die Insel der Shetlands den Fluten der Nordsee. Als letzte Bastion der Menschheit wacht ein Leuchtturm und lotst die Schiffe durch diese schwierige Passage. Einzige verbliebene Bewohner sind der jähzornige, verwitwete Leuchturmwärter und dessen 19-jähriger Sohn Ouse. Beide vermissen die verstorbene Mutter des jungen Mannes auf ihre Weise: Ouse mit tiefer Liebe und Empathie im Herzen; sein Vater mit Brutalität und Verbitterung. Es scheint besiegelt, dass Ouse ebenfalls Leuchtturmwärter werden soll. Er hat kaum menschliche Kontakte. Seine Familie sind Krabben, Robben, Möwen und Papageientaucher. Er kennt jeden Winkel des Eilands und bei Langeweile spricht er mit dem Geist von Robert Louis Stevenson. Der imaginierte Freund steht ihm auch bei, wenn der Vater wieder zugeschlagen hat.

Die Dynamik ändert sich, als ein Hausgast eintrifft. Firth, ein lebensmüder, erfolgloser Schriftsteller möchte auf der Insel seine allerletzte Lebensaufgabe vollbringen. Er erkennt als Einziger das kreative, künstlerische Talent in Ouse und ermutigt ihn, dieses zu fördern. Dazu müsste er jedoch die geliebte Insel verlassen. Ouse muss sich entscheiden.

Der Roman lebt von der poetischen Sprache, die sich so tänzerisch emporschwingt, dass einem manchmal schwindlig wird. Scheinbar mühelos webt der Autor den Mikrokosmos dieser Insel um den Leser herum. In lebendigen Bildern beschreibt er die ungezähmte Natur, die Definition von Heimat und das breite Feld der Emotionen der Protagonisten. Hoffentlich nicht der letzte Roman des Lyrikers. Meine Empfehlung für Leser, denen "Öffnet sich der Himmel" von Sean Hewitt gefallen hat.