„Ein Aufenthalt auf Muckle Flugga hat schon so manches Herz geheilt“

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belinablack Avatar

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„Der letzte Leuchtturm“ ist ein wundervoll poetischer Roman, der von nicht mehr und nicht weniger handelt, als von einer Landschaft – der schottischen Insel Muckle Flugga – und den Menschen, die sie durchstreifen.

Ouse und sein Vater sind die einzigen Bewohner der Insel. Der Vater, ein verschlossener, grober und seit dem Tod der Mutter gebrochener Mann, stellt seine Pflichten als Leuchtturmwärter stets an erste Stelle und bildet seinen Sohn zu seinem Nachfolger aus. Ouse liebt seinen Vater und Muckle Flugga mit all seinen tierischen Bewohnern sehr und nimmt sein Schicksal offenbar an. Bei seinen Streifzügen über die Insel scheint er eins mit der Landschaft und Tierwelt um ihn herum zu sein, völlig mit sich und der Welt im Reinen. Seine Kreativität lebt er aus, in dem er Motive der Insel in kunstvolle Teppiche, Pullover und andere Strickwaren verwandelt und auf den Märkten auf dem Festland an Touristen verkauft. Seit dem Tod seiner Mutter steht Ouse der Geist von Robert Lewis Stevenson zur Seite, begleitet ihn auf seinen Ausflügen und ermutigt ihn, für sich selbst einzustehen.

Eines Tages kommt der unglückliche und erfolglose Künstler Firth als Gast auf die Insel. Er möchte ein vor langer Zeit gegebenes Versprechen einlösen und den Ort besuchen, von dem sein Großvater einst berichtete. Er freundet sich mit Ouse an und erkennt dessen außergewöhnliches Talent. Für ihn ist klar: Ouse muss die Insel verlassen, um in Edinburgh zu studieren und als Künstler zu leben. Schließlich muss sich dieser entscheiden: Bleibt er dem Vater und der Insel treu und wird der nächste Leuchtturmwärter von Muckle Flugga oder will er sein Schicksal selbst in die Hand nehmen und herausfinden, welches Leben jenseits der Insel auf ihn wartet?

Die wundervolle Sprache des Autors hat mich von Beginn an verzaubert und sprachlich ist „Der letzte Leuchtturm“ bislang mein absolutes Jahreshighlight! Ganz gleich, ob er Landschaft, Flora und Fauna, die Dialoge zwischen den Männern oder deren Gedanken beschreibt, jedes Wort ist perfekt gewählt und zieht die Leser/-innen immer tiefer in die Welt des Romans hinein.
Die Beziehungen zwischen Vater und Sohn und den beiden jungen Männern, aber auch die Geschichte der Insel werden sensibel Schicht um Schicht offengelegt und offenbaren deren liebenswerten, aber auch grausamen Seiten.

Am Ende verlassen die Leser/-innen die Insel und den Roman und können, wie „jene, die Muckle Flugge wieder verlassen, […] ausnahmslos von den zeitlosen Qualitäten der Insel, von den kleinen Weller der Ewigkeit, die sich dort kräuseln“ berichten.

„Ein Aufenthalt auf Muckle Flugga hat schon so manches Herz geheilt“ und ich empfehle diesen Roman aus ganzem Herzen und wünsche ihm viele Leser/-innen!