"Ein zerbrochener Himmel"

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kalliope1959 Avatar

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Welch poetischer Text, der mit eindringlicher Sprache den grausamen Weg in ein totalitäres Regime nachzeichnet. Dabei offenbart sich ein bekanntes Muster: Unabhängig davon, ob die Ursachen wirtschaftlicher oder religiöser Natur sind – hier vor dem Hintergrund des Islam – folgt die Unterdrückung stets demselben Muster. Zugleich greift der Roman ein hochaktuelles politisches Thema auf.
In eindrucksvollen Metaphern entfaltet sich diese Bedrohung, etwa in der Szene der Tauben:
„Der vertraute Anblick der Tauben wird jäh unterbrochen. Die dicht kreisenden Schwärme geraten in Panik, lösen sich auf und fliegen in alle Richtungen. Drei meiner Tauben schließen sich fremden Gruppen an, zwei driften nach Westen, und ein weiteres Trio verschwindet hinter den Dächern.“
In diesem Bild schwingt der Verlust, eine Angst – aber auch Hoffnung auf eine Wende zum Guten mit:
„Die Tauben werden ihren Weg nach Hause allein finden müssen. Sie werden wiederkommen. Sie müssen.“
Gleichzeitig zeichnet der Text ein bedrückendes Bild der Gegenwart:
„Wo einst leuchtende Stoffe und elegante Kleidung die Passanten anlockten, stehen jetzt Figuren, eingehüllt in Niqabs. Die Puppen wirken wie Gefangene in einem düsteren Albtraum.“
Ich tauche tief in diese Geschichte ein, die erschreckenderweise keine Fiktion ist. Umso gespannter bin ich, wohin sie mich noch führen wird.

zum Cover: Es wirkt symbolisch, passend zur erzählerischen Sprache. Der große, gelbe Kreis lässt an Sonne denken. Die fliegenden Tauben am Rand greifen das zentrale Bild des Titels und der Geschichte auf.