Toller Start: Schutz und Bedrohung zugleich
Gleich im ersten Bild zerreißt etwas den Himmel – Tauben stieben auseinander, Rotoren schneiden die Luft, und ich war sofort wieder da, wo mich Abbas Khider schon in seinen letzten Romanen hingeführt hat: mitten hinein in eine Welt, die gleichzeitig poetisch und für mich unbekanntes Terrain ist.
Der Beginn wirkt wie eine unschuldige Alltagsszene, die plötzlich kippt. Der Junge auf dem Dach, sein Schwarm, der vertraute Rhythmus – und dann dieses Brummen, das alles verändert. Khider braucht keine lauten Effekte; ein paar präzise Sätze genügen, und man spürt, wie sich Angst unter die Haut legt. Die Tauben werden zu empfindlichen Messgeräten einer neuen Ordnung, und Noah, der Erzähler, steht dazwischen: noch Kind, aber schon Chronist einer Zeit, die ihm die Sprache stehlen will.
Ich war sofort faszinirtz von der Szene vor dem Laden des Vaters. Die Schaufensterpuppen in Niqabs, diese erstarrten Körper, die plötzlich in Noahs Fantasie zu Widerstandskämpferinnen werden – das ist so wunderbar Khider: Realität und Imagination greifen ineinander, als gäbe es ohne das Erzählen keinen Ausweg. Man merkt, wie sehr ich seine Texte liebe, wenn sie genau das tun: dem Grauen eine zweite, heimliche Wirklichkeit zur Seite stellen.
Besonders unter die Haut ging mir die „Hautzensur“. Das Schwärzen von Gesichtern auf Verpackungen, dieses Auslöschen von Individualität, wird in einer fast zärtlichen Genauigkeit beschrieben. Kein großer Kommentar, nur der Geruch des Parfümöls, das Surren des Ventilators, der schwarze Marker in der Hand eines Vierzehnjährigen – und schon steht ein ganzes System aus Angst und Anpassung im Raum.
Nach diesen Seiten bin ich wieder restlos eingenommen. Der Roman öffnet sich wie ein Himmel, der gleichzeitig Schutz und Bedrohung ist. Ich will unbedingt weiterlesen, weil Khider mir einmal mehr zeigt, dass Literatur dort beginnt, wo ein Junge auf ein paar Tauben blickt – und darin das ganze Drama seiner Welt erkennt.
Der Beginn wirkt wie eine unschuldige Alltagsszene, die plötzlich kippt. Der Junge auf dem Dach, sein Schwarm, der vertraute Rhythmus – und dann dieses Brummen, das alles verändert. Khider braucht keine lauten Effekte; ein paar präzise Sätze genügen, und man spürt, wie sich Angst unter die Haut legt. Die Tauben werden zu empfindlichen Messgeräten einer neuen Ordnung, und Noah, der Erzähler, steht dazwischen: noch Kind, aber schon Chronist einer Zeit, die ihm die Sprache stehlen will.
Ich war sofort faszinirtz von der Szene vor dem Laden des Vaters. Die Schaufensterpuppen in Niqabs, diese erstarrten Körper, die plötzlich in Noahs Fantasie zu Widerstandskämpferinnen werden – das ist so wunderbar Khider: Realität und Imagination greifen ineinander, als gäbe es ohne das Erzählen keinen Ausweg. Man merkt, wie sehr ich seine Texte liebe, wenn sie genau das tun: dem Grauen eine zweite, heimliche Wirklichkeit zur Seite stellen.
Besonders unter die Haut ging mir die „Hautzensur“. Das Schwärzen von Gesichtern auf Verpackungen, dieses Auslöschen von Individualität, wird in einer fast zärtlichen Genauigkeit beschrieben. Kein großer Kommentar, nur der Geruch des Parfümöls, das Surren des Ventilators, der schwarze Marker in der Hand eines Vierzehnjährigen – und schon steht ein ganzes System aus Angst und Anpassung im Raum.
Nach diesen Seiten bin ich wieder restlos eingenommen. Der Roman öffnet sich wie ein Himmel, der gleichzeitig Schutz und Bedrohung ist. Ich will unbedingt weiterlesen, weil Khider mir einmal mehr zeigt, dass Literatur dort beginnt, wo ein Junge auf ein paar Tauben blickt – und darin das ganze Drama seiner Welt erkennt.