Berührend

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anana Avatar

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„Der letzte Sommer der Tauben“ von Abbas Khider rückt den Alltag des vierzehnjährigen Noah in den Fokus, der vermutlich in Afghanistan oder im Irak lebt. Als die Islamisten an die Macht gelangen, gerät sein komplettes Leben aus den Fugen.

Einfühlsam zeigt der Roman, wie nach und nach der gesamte Alltag von den „Gotteskriegern“ zersetzt wird. Nicht nur seine Mutter und seine Schwester müssen gravierende Repressalien hinnehmen, auch die Männer der Familie müssen sich unterordnen beziehungsweise anpassen. Mit einem Mal ist Noahs Kindheit vorbei – selbst das Taubenzüchten verliert seine Unschuld.
Mich hat besonders beeindruckt, wie es dem Autor gelingt, mit einer reduzierten Sprache einen sehr eindringlichen Einblick in eine grausame Lebenswelt zu geben. Treffsicher zeigt er, wie Stück für Stück immer mehr Freiheit verloren geht und welche moralischen Implikationen damit einhergehen. Dabei gelingt es ihm, trotz der geschilderten Gewalt und Aussichtslosigkeit auch von Resilienz und Hoffnung zu erzählen.

Eine klare Lese- beziehungsweise Hörempfehlung!