Berührend und verstörend zugleich

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Den Roman „Der letzte Sommer der Tauben“ von Abbas Khider empfand ich als berührend und erschreckend zugleich. Ich erlebte ihn als Hörbuch, wunderbar und eindrucksvoll gesprochen von Pascal Houdus.

Der Roman beschreibt die drastischen Veränderungen in der Heimat von Noah, einem aufgeweckten Vierzehnjährigen, der als Hobby Tauben züchtet. Er liebt seine Tauben und kümmert sich mit Sorgfalt und Hingabe um sie. Jeden Tag lässt er sie fliegen.

Das geregelte und friedliche Zusammenleben der Menschen ändert sich, als die Machtverhältnisse sich ändern und totalitäre Gewalt die die Macht und die Kontrolle über das öffentliche Leben übernehmen.

Alles, was gestern noch normal und erlaubt war, ist jetzt verboten und steht unter Strafe; das Tanzen, Singen, Rauchen, Kartenspielen usw. Die Frauen müssen sich verhüllen und dürfen nicht mehr allein auf die Straße gehen. Auch dürfen sie keiner Arbeit mehr nachgehen.

Es tut weh, mitzuerleben, wie die Unsicherheit und Angst immer mehr um sich greifen. Dennoch hält die Familie zusammen und ist bemüht, sich von den furchtbaren Umständen nicht beeinflussen zu lassen.

Dann kommt der Tag, an dem die Tauben nicht mehr fliegen dürfen. Es wird einfach verboten und Zuwiderhandlungen werden unter Strafe gestellt.
Also muss Noah seinen Tauben die Flügel stutzen, eine furchtbare Maßnahme. Ein schreckliches Bild.

In all dieser Unsicherheit regt sich aber auch Widerstand und es lebt die Hoffnung, dass die Welt eines Tages wieder besser wird.
Die Tauben mit ihrem Schwarmleben, ohne Konkurrenz- und Machtdenken sind ein wunderbares Symbol dafür.