Das beste Buch des Januars

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jori1020 Avatar

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Abbas Khiders neuer Roman 'Der letzte Sommer der Tauben' ist trotz seiner überschaubaren 216 Seiten eine echte Wucht. Im Mittelpunkt steht der 14-jährige Noah und seine Familie, die miterleben, wie sich ihre Heimat innerhalb eines Sommers zunehmend in ein Kalifat verwandelt und welche Repressionen und Einschränkungen das für die einfache Bevölkerung mit sich bringt.

In einer nüchternen und gerade dadurch umso eindringlicheren Sprache erzählt Khider, wie es ist, plötzlich nicht mehr frei seine Meinung äußern zu dürfen, gewohnten Hobbys wie dem Taubenzüchten nicht mehr nachgehen zu können und ständig auf der Hut zu sein vor der Religionspolizei. Die kurzen Kapitel wirken wie unheilvolle Vorboten, fast wie Donnerschläge, die eine nahende Katastrophe ankündigen, die sich mit bedrückender Konsequenz entfaltet.

Trotz der Schwere des Themas gelingt es Khider immer wieder, durch feine humoristische Momente eine gewisse Leichtigkeit in die Erzählung zu bringen, ohne die Ernsthaftigkeit der Geschichte zu unterlaufen. Gerade dieser Kontrast macht den Roman besonders wirkungsvoll.

Eine wichtige und aufrüttelnde Lektüre, die berührt, emotionalisiert und einen nachdenklich zurücklässt. Für mich eine ganz große Empfehlung.