Der Verlust einer Kindheit

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maluli Avatar

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Der vierzehnjährige Noah züchtet im Irak Tauben. Diese werden als frei und unbeschwert beschrieben und der letzte Sommer der Tauben wird auch zum letzten Sommer der Unbeschwertheit. Nach und nach setzen die Sittenwächter neue Regeln durch. Die Frauen auf den Werbeplakaten müssen bis auf die Augen geschwärzt, Mobiltelefone bei der Polizei abgegeben werden. Frauen dürfen nicht mehr arbeiten oder ohne männliche Begleitung auf die Straße. Noahs Schwager wird in ein Umerziehungslager gesperrt, Noah selbst wird Zeuge von Dingen, die nie passieren dürften.
In all dem spenden ihm seine Tauben Trost, denn ihnen steht der Himmel noch offen und sie sind eine Erinnerung an eine Zeit, in der die Welt noch in Ordnung war - bis die Taubenzucht verboten wird.
An Noahs Seite war immer sein freiheitsliebender Onkel Ali, der eines Tages scheinbar spurlos verschwindet.
"Der letzte Sommer der Tauben" erzählt mit einer unbeschreiblichen Leichtigkeit das Unvorstellbare, den Wandel einer unbeschwerten Kindheit und Jugend zu einem Leben voller Repression und Angst. Gerade der Kontrast zwischen schöner Sprache und furchtbaren Geschehnissen machen diesen kurzen Roman so eindrucksvoll und besonders.
Abbas Khider kann mit Worten so starke, stimmungsvolle Bilder erzeugen, dass dies sicher nicht der letzte Roman sein wird, den ich von ihm lese.