Die Tauben als Zeichen der Freiheit

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„Der letzte Sommer der Tauben“von Abbas Khider, erschienen bei @hanserliteratur ,erzählt vom Ende einer Kindheit unter den Muschahedin. Noah ist 14 Jahre alt und Taubenzüchter. Sein Onkel Ali, der jüngere Bruder seines Vaters, der im Nachbarhaus wohnt, hat ihn an dieses Hobby herangeführt.Noah bewundert das Sozialverhalten und die Freiheit der Tauben, die aber immer wieder auf sein Dach zurückkehren. Ein Bild das friedlicher nicht sein kann und für ihn ein Symbol der Beständigkeit ist. Doch dieser Sommer im Irak wird der letzte friedliche für Noah sein. Ein autoritäres Regime übernimmt die Macht und für Noah verändert sich alles. Das Kalifat übernimmt die Kontrolle und mit ihm verschwinden alle Freiheiten und alles was das Leben schön macht. Musik, Feiern, Lachen, Farben, alles verschwindet hinter einer grauen Depression. Die Angst geht in den Familien und den Straßen um.Sein Vater muss den Laden schließen, der Mann seiner Schwester wird inhaftiert, seine Freunde verändern sich , plötzlich verschwindet Onkel Ali, der immer sein Anker war und zum Schluss verschwinden auch die Tauben am Sommerhimmel.

In einer ruhigen, aber doch sehr eindringlichen Sprache erfährt der Leser aus Sicht eines 14 jährigen Jungen, welche Auswirkungen autoritäre Systeme auf das Leben der Menschen, die unter ihnen leben müssen haben, aber auch, was sie mit den einzelnen Menschen machen.
Die einen passen sich an und versuchen das Beste für sich herauszuholen, die anderen haben den Mut sich dagegen zu stemmen, weil sie unter dieser Unmenschlichkeit nicht leben können. Oft bezahlen sie mit ihrer Freiheit, oft auch mit ihrem Leben.

Der Roman wird nicht Effekt heischend geschrieben, doch gerade diese ruhige beobachtende Art der Geschehnisse brennen sich ins Gedächtnis und lassen einen frösteln und die Angst derer, die damit konfrontiert sind, intensiv erleben.

Für Noah verändert sich alles, sein Umfeld, seine Freundschaften, die Situation in der Familie, immer ist man in hab acht Stellung, weil keiner weiß, wann die Willkür wieder zuschlägt. Wie schwer muss es sein unter solchen Lebensumständen zu leben, vielleicht sogar begleitet von kriegerischen Handlungen, wie wir aktuell beobachten können.
Mich hat dieses Buch tief berührt, mich lange nachdenken lassen und mir wieder vor Augen geführt, wie wichtig es ist für unsere Demokratie zu kämpfen in Zeiten , in denen Autokraten immer wieder die Weltordnung bestimmen wollen und auch Parteien unterstützen, auch hier in Europa und in Deutschland, die unsere Demokratie verachten.

Ein leises Buch mit erschreckendem Inhalt.