Dieser Sommer hat den Himmel gestohlen

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sarahsjan Avatar

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"Der letzte Sommer der Tauben" erzählt die Geschichte des Jungen Noah in einer Zeit tiefgreifender Umbrüche: Mit dem Machtantritt des sogenannten Kalifats im Irak verändert sich sein Alltag radikal. Die Erzählung ist wie ein Tagebuch angelegt – ruhig, beobachtend, nah an der kindlichen Perspektive. Gerade diese Form macht die fortschreitende Bedrohung besonders eindringlich.
Man verfolgt als Leser, wie Noahs Familie Schritt für Schritt unter den neuen Verhältnissen leidet, wie Freiheit, Sicherheit und Normalität schwinden. Besonders stark ist das Motiv der Taubenzucht, Noahs großes Hobby. Dass selbst dieser Rückzugsort zerstört wird, verleiht der Geschichte emotionale Tiefe. Das Stutzen der Flügel der Tauben wirkt dabei als kraftvolles Symbol für den Verlust von Freiheit und Selbstbestimmung.
Nicht ganz überzeugen konnte mich das Ende. Noahs kommender Aufenthalt in einem Ferienlager des Kalifats bleibt erzählerisch eher skizzenhaft, und auch der abschließende Ausblick auf die Tauben wirkt etwas konstruiert und weniger stringent als der restliche Text. Hier hätte ich mir mehr Konsequenz oder emotionale Zuspitzung gewünscht.
Trotz dieses Schwachpunkts ist das Buch ein eindrucksvoller, sensibel erzählter Roman, der politische Gewalt aus der Perspektive eines Kindes/Teenagers begreifbar macht. Eine lesenswerte Geschichte.