Ein stilles Kleinod
Ob dieses Kleinod wirklich still ist, oder nicht vielleicht doch eher ruhig wütend, stumm schreiend und intensiv traurig, muss jeder nach der Lektüre von Abbas Khiders Roman Der letzte Sommer der Tauben entscheiden. Mich hat die Geschichte von Noah und seiner Familie, die den Umbau ihrer Heimat in ein Kalifat miterleben müssen, tief bewegt. Khider trifft mit seinem Erzählstil die dumpfe Stimmung, die Unfähigkeit sich wirklich aufzubäumen, wenn man nicht gesteinigt, abgeführt oder an der Straßenecke angefesselt, enden will. Immer wieder werden die Tauben zum Symbol für Freiheit und ein Rückzugsort für den Jugendlichen Noah, einer der wenigen die noch erlaubt sind. Durch die kurzen Kapitel und Begegnungen der unterschiedlichen Familienmitglieder und wenigen Freunde kann man die Lebenssituation in diesem Festungsstaat gut nachempfinden. Und Khider lässt nicht viel aus, ein aufsässiger Onkel, ein entführter Schwager in Umerziehungshaft, ein gebrochener Vater, eine starke und gleichzeitig unsichtbare Mutter, ein übergelaufener Bruder und eine schwangere Schwester. Intensiv und lesenswert und sehr nah an unserm Zeitpuls.