Nur die Tauben sind noch frei

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lesesuchti Avatar

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Aber wie lange noch?
Abbas Khider, selbst aus dem Iran geflohen, erzählt uns erneut eindrucksvoll und poetisch über den Schrecken im Alltag eines Kalifats. Der erst 14-jährige Noah muss miterleben, wie die Mudschahedin sein Leben und das Leben aller immer mehr einengen. Sein Freund, der Jeside ist, ist verschwunden und sein Vater kämpft mit immer mehr Verboten und versucht den Modeladen weiter zu führen, auch wenn er nur noch farblose Gewänder verkaufen darf. Das Café des Onkels wird geschlossen. Musik, Rauchen, Kartenspielen, Alkohol und so viele weitere Dinge werden verboten. Die Frauen der Familie dürfen nicht mehr arbeiten, geschweige denn sich frei bewegen. Nur Noahs Tauben bereiten ihm große Freude. Sie sind im Buch ein Symbol der Freiheit und Freundschaft und die Vergleiche mit Koran- Auszügen sind philosophisch. Zusammen mit seinem Onkel hält er den Schwarm, pflegt die Tauben liebevoll.
Bedrückend ist die Stimmung und die Angst ist spürbar. Diese Atmosphäre kann Khider sehr eindringlich vermitteln und man liest das Buch fast atemlos in einem durch. Er schafft es, eine Spannung aufzubauen und die Protagonisten lebendig werden zu lassen.
Khider schafft es erneut, eine uns fremde Welt näher zu bringen. Ein Augenöffner für alle, die der Einwanderung kritisch gegenüber stehen. Der Titel macht den Umschwung deutlich - es geht etwas zu Ende.
Auch im schlimmsten Regime darf man nicht vergessen, wie man frei ist und fliegt!, sagt der Onkel bei den Tauben.