Romanpoesie, die ergreift und betrifft
Normalerweise kann ich Lobeshymnen auf Klappentexten von irgendwelchen Literaturexpert*innen nicht leiden… In diesem Fall pflichte ich Anna Prizkau von der F.A.S. aber bei: „einer der besten deutschen Schriftsteller.“ Abbas Khider lebt seit dem Jahr 2000 in Deutschland, stammt aus Bagdad und hat selbst viel erlebt von dem, worüber er schreibt. Politische Verfolgung, Unterdrückung, Angst im Alltag, Tauben. Das spürt man in jedem seiner Sätze. Kurz, prägnant, auf den Punkt. Und seine Sätze lassen seine Bücher Poesie im Romanformat werden. So viel Inhalt, der in so wenigen Worten ausgedrückt wird und sich in die Köpfe der Leser gräbt und eindrucksvoll dort bleibt. Das ist bei „Der letzte Sommer der Tauben“ nicht anders als bei den Vorgängerromanen. Die Geschichte von Noah, einem 14-jährigen Teenager, der quasi von heute auf morgen im Kalifat aufwacht und sich seiner neuen Lebensrealität stellen muss, ist bewegend, verstörend und ein Geschenk.