Was für ein totalitäres Leben im Kalifat Saddam Husseins……..
Der zunächst 14-jährige Noah Derwisch, der Ich-Erzähler, ist wie sein Onkel Ali unter dem Regime Saddam Husseins in Bagdad nicht nur als Taubenzüchter aktiv, sondern zunehmend auch politisch. Wie sehr der Familienalltag von Gewalt, Willkür und Angst durchdrungen ist, wird eindrucksvoll, überzeugend beschrieben. Die Treue der Tauben, ihre stetige Rückkehr, gibt dem Jungen Halt in einer Zeit voller gewaltsamer Umbrüche durch die Mudschahedin. Öffentliche Bestrafungen wie Auspeitschungen und Steinigungen, sogar Schlimmeres lässt diese Menschen vergessen, wie man frei ist. Jugendliche Freundschaften lösen sich in diesem System aufgrund von politisch induzierten Ferienlagern leicht auf, können an Hitlers Jugendorganisation erinnern. Mit der Erwähnung der Operation Wandertaube tauchen Wortfetzen von im Untergrund agierenden Widerständlern wie Onkel Ali auf. Reflektionen, von ihm in teils philosophischer Art verfasst, vergleichen das Zusammenleben eines Taubenschwarms, einer umsichtigen, harmonischen Gemeinschaft, mit unseren jetzt herrschenden Religionen voller Konfliktbereitschaft und Machtkämpfen unter Männern im Kalifat. Das Taubenreich als letzter friedlicher Hoffnungsträger des Himmels wird verglichen mit dem von Menschen geschaffenen Monotheismus und deren immerwährender Suche nach Demokratie und Freiheit. Auch das Fehlen von Gleichberechtigung für Frauen in allen Weltreligionen wird thematisiert. Sehr interessant sind Informationen rund um die Taubenzucht, um die berühmte Brieftaube Cher Ami oder um die letzte Wandertaube Martha.
Wie schnell Noah besonders durch Onkel Alis Worte und Taten erwachsen werden muss, ist erschreckend. Denn sie leben im Kalifat in einer Welt, in der seine Aktivitäten den Tod bringen.
Wie schnell Noah besonders durch Onkel Alis Worte und Taten erwachsen werden muss, ist erschreckend. Denn sie leben im Kalifat in einer Welt, in der seine Aktivitäten den Tod bringen.