Wilde, Fauler Sack und Goliath auf dem Dach

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
bavaria123 Avatar

Von

Die Geschichte nimmt uns mit in den Irak, zu einer Zeit, als die totalitäre Regierung mit Vorschriften und Strafen immer mehr den Alltag bestimmt.
Auch in dem Stadtteil, in dem der 14jährige Noah mit seinen Eltern, der schwangeren Schwester Suad und dem Onkel Ali wohnt, wird immer stärker kontrolliert und reguliert.
Frauen dürfen nicht unverhüllt und ohne männliche Begleitung das Haus verlassen und schon gar nicht arbeiten.
In dem Bekleidungsgeschäft von Noahs Vater muss alles, was nicht den strengen Regeln entspricht, geschwärzt oder vernichtet werden.
Noahs liebster Zeitvertreib sind die Tauben auf dem Dach. "Schneeweiß" und "Himmelblau" oder "Regenbogen" und "Tänzer" verschaffen ihm ein Gefühl von Freiheit. Doch dann wird auch die Taubenhaltung auf dem Dach verboten.

Man merkt, dass für den Autor Diktatur, Gewalt und Gefängnis nicht nur Worte sind. Er war selbst zwei Jahre in irakischer Gefangenschaft. Abbas Khider bedient sich zwar der Prosaform, aber die Szenarien erscheinen absolut realistisch.
Teilweise sind sie brutal ehrlich und für mich als Lesende schwer zu ertragen.

In dieser zum Nachdenken anregenden Parabel sind die Tauben auch Sinnbild für Frieden und Hoffnung. Ihre Namen sind gut gewählt, ich habe sie direkt vor mir gesehen.

Geschrieben ist das Buch in kurzen Kapiteln und in einem klugen, zurückhaltenden und teilweise sogar leicht humorvollen Ton.

Der letzte Sommer der Tauben wird mir noch lange in Erinnerung bleiben - als empathisches und doch grauenvolles, leise und doch starkes, ironisches und doch trauriges bittersüßes Werk.