Wirkt nach

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Noah ist 14 Jahre alt und züchtet Tauben - ein Hobby, dass seinen Stadtteil prägt. Doch bald schon machen Helikopter den Tauben den Himmel streitig. Sie sind nur ein Zeichen für das sich von Grund auf verändernde Leben in der Stadt. Diejenigen, die zunächst als Befreier kamen, bringen nun das Kalifat und damit viele Einschränkungen für Noah und seine Familie. So dürfen die Frauen der Familie das Haus nur noch in Begleitung verlassen und müssen sich verschleiern. Im Geschäft von Noahs Vater wiederum müssen alle Frauenkörper geschwärzt werden.

In „Der letzte Sommer der Tauben“ erzählt Abbas Khider sehr poetisch vom Verlust der (persönlichen) Freiheit und dem entstehen eines islamistischen Staates. Das Buch ist bedrückend und wunderschön zugleich. Man kann die Atmosphäre in der Stadt förmlich fühlen - wie sich die Schlinge der neuen Machthaber immer weiter zuzieht und das komplette Leben völlig verändert.
Es schmerzt sehr zu sehen, wie ein 14jähriger Junge sich damit zurechtfinden muss - irgendwo zwischen Kindheit und zu frühem Erwachsenwerden.

Besonders gut gefallen hat mir, dass trotz aller Schwere auch immer wieder helle Momente entstehen. Nicht, weil es gesamtgesellschaftlich einen Hoffnungsschimmer gibt, aber wegen einzelnen Begegnungen, Vertrauen und Humor. Denn obwohl es wirklich keine positiven Aussichten gibt behalten insbesondere Noah und sein Onkel ihren Humor, der immer wieder durchscheint.

Abbas Khiders „Der letzte Sommer der Tauben“ ist für mich jetzt schon eines der Highlights des Jahres. Ich bin dankbar, dass ich diese Geschichte lesen durfte, die mir viele Denkanstöße geboten hat. Noah und sein Schicksal begleiten mich gedanklich weiter, das Buch wirkt wirklich nach.