Unerwartet tiefgründig

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
skygirl Avatar

Von

Daisy Garrisons Roman "Der letzte Sommer vor dem Rest unseres Lebens" hat mich nach der Leseprobe deutlich mehr überrascht, als ich zunächst erwartet hätte. Was auf den ersten Blick wie eine klassische Highschool-Story wirkt, entfaltet schon auf den ersten Seiten eine erstaunliche emotionale Tiefe.

Besonders gelungen finde ich den Wechsel der Perspektiven zwischen Mina und Caplan. Dadurch entsteht ein sehr intensives Bild ihrer Freundschaft, die gleichzeitig vertraut und kompliziert wirkt. Minas Blick auf die Welt ist eher distanziert und reflektiert, während Caplan vieles direkter erlebt – diese Gegensätze machen ihre Verbindung unglaublich spannend. Man spürt sofort, dass da mehr zwischen ihnen liegt als nur eine einfache Freundschaft.

Die Leseprobe punktet vor allem durch ihre Figurenzeichnung. Mina ist keine typische Außenseiterin, sondern wirkt vielschichtig und verletzlich, ohne klischeehaft zu sein. Ihre Gedanken über Zugehörigkeit und das Gefühl, immer ein wenig außerhalb zu stehen, gehen unter die Haut. Gleichzeitig zeigt Caplan eine ganz andere Seite: Hinter seiner Beliebtheit steckt Unsicherheit, die ihn sehr greifbar macht.

Sprachlich liest sich der Text angenehm flüssig und gleichzeitig sehr nah an den Figuren. Besonders die Rückblicke in die Kindheit haben mir gefallen, weil sie die Entwicklung der Beziehung authentisch und berührend zeigen. Die Entstehung ihrer Freundschaft wirkt ehrlich und gibt der Geschichte eine schöne emotionale Basis.

Insgesamt vermittelt die Leseprobe eine leicht melancholische, fast schon wehmütige Stimmung. Dieses Gefühl, dass sich etwas dem Ende zuneigt und man es trotzdem festhalten möchte. Genau das macht neugierig auf den weiteren Verlauf: Wie werden Mina und Caplan mit den Veränderungen umgehen? Und wird ihre Verbindung den Übergang ins „Danach“ überstehen?

Ein ruhiger, aber intensiver Einstieg, der vor allem durch seine Figuren und die feinen Zwischentöne überzeugt. Ich bin gespannt, wohin die Reise der beiden noch führt.