Recht vorhersehbar
„Die Welt von Monstern zu befreien, war so, als würde man versuchen, einen Sandstrand zu fegen.“
In einer kalten Novembernacht wird in Kopenhagen eine tiefgefrorene Leiche gefunden, deren Augen mit antiken Goldmünzen bedeckt sind. Kommissarin Sara Levin und ihr Partner Janus West erkennen schnell, dass es sich um den Auftakt einer ganzen Serie von Ritualmorden handelt. Gemeinsam mit Saras Bruder Adam, einem Profiler, versuchen sie, den offenbar von der römischen Symbolwelt besessenen Täter zu stoppen. Dabei führt eine Spur auch zu Saras Vater und zwingt Sara, sich mit der dunklen Vergangenheit ihrer Familie auseinanderzusetzen.
Der Einstieg in „Der Prätorianer“ ist mir zunächst schwergefallen. Es werden recht viele Personen eingeführt und gleichzeitig verschiedene Handlungsstränge eröffnet, sodass ich erst einmal Zeit gebraucht habe, um mich zurechtzufinden. Gerade in der ersten Hälfte war mir die Geschichte deshalb zu langatmig, da die Handlung nur langsam vorankommt. Das ändert sich ungefähr zur Mitte des Buches: Dann nimmt die Geschichte deutlich an Fahrt auf und die Spannung steigt spürbar.
Gut gefallen haben mir die Bezüge zur römischen Geschichte und Mythologie. Man spürt, dass Tobias Bukkehave sich intensiv mit den historischen Hintergründen beschäftigt hat, ohne dass diese wie ein Fremdkörper in die Handlung eingebaut wirken.
Die meisten Charaktere konnten mich überzeugen. Sara Levin und Janus West sind ein sympathisches Ermittlerduo, das gut miteinander harmoniert. Auch Saras Bruder Adam ist ein interessanter Charakter. Als Profiler bringt er eine ganz andere Sichtweise in die Ermittlungen ein. Saras persönliche Auseinandersetzung mit ihrer Familie verleiht der Geschichte eine zusätzliche emotionale Ebene. Die Figuren sind sympathisch genug, um mit ihnen mitzufiebern, besitzen aber gleichzeitig ihre Ecken und Kanten.
Bei dem Täter, seinen Motiven und der Auflösung hätte ich mir allerdings mehr Tiefe gewünscht.
Der Schreibstil ist insgesamt angenehm und flüssig zu lesen. Einige Wendungen waren für mich recht vorhersehbar, und durch die vielen Handlungsstränge wurde das Tempo immer wieder ausgebremst. Insgesamt hätte ich mir eine überraschungsreichere Handlung gewünscht. Besonders der Cliffhanger am Ende hat bei mir leider nicht die gewünschte Wirkung erzielt.
„Der Prätorianer“ bietet einige interessante Ansätze, trotzdem war mir die Handlung stellenweise zu langatmig und zu vorhersehbar. Das Buch bleibt für mich hinter seinen Möglichkeiten zurück. 3,5 Sterne.