Wer nachts Monster jagt, braucht tagsüber dringend Kaffee

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besueandamy Avatar

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Ich dachte, ich lese „nur kurz“ in die Leseprobe rein. Ein fataler Irrtum. Denn kaum schlägt man die erste Seite auf, wird klargestellt: Die Monster unter dem Bett existieren wirklich — und die Erzählerin gehört selbst dazu. Schlaf? Optional. Gänsehaut? Garantiert.

Was sofort überzeugt, ist diese herrlich schräge Mischung aus düsterer Fantasy und völlig normalem Teenagerleben. Letty arbeitet nachts als Spionin im Nachtreich, schleicht durch Schneestürme, entdeckt verbotene Machenschaften und wird von Werwölfen verfolgt — nur um am nächsten Morgen geschniegelt auf dem britischen Privatschulhof zu sitzen und mit ihren Freunden Donuts zu essen. Multitasking auf Endgegner-Level.

Besonders gelungen ist die Dynamik zwischen Letty und Will, dem geheimnisvollen Nachtprinzen, der schon seit ihrer Kindheit an ihrer Seite ist. Er ist gleichzeitig Bodyguard, Komplize, emotionaler Rettungsring und wandelndes Sicherheitsrisiko — kurz gesagt: genau die Sorte Figur, die man sofort liebt und gleichzeitig misstrauisch beäugt.

Green Flag? Red Flag? Eher „Achtung, könnte dich nachts entführen, aber fürsorglich dabei sein“.

Der Humor blitzt immer wieder zwischen den düsteren Momenten auf, ohne die Spannung zu zerstören. Während andere Heldinnen episch leiden, fragt sich Letty ganz pragmatisch, warum es im Nachtreich eigentlich keinen Föhn gibt. Verständlich — wer schon von Werwölfen gejagt wird, möchte wenigstens nicht mit Bad-Hair-Day sterben.