Schlaf, der sich rar macht

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emmmbeee Avatar

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Ja, genau um das geht es in diesem Roman: um Schlaf, weniger um den eigenen, als um den der anderen. So gesehen ist der Titel sehr treffend, und auch das Cover sagt genau das aus: quälende, sich unendlich in die Länge dehnende Schlaflosigkeit.
Janis und Sina treffen zum ersten Mal in einem Schlaflabor aufeinander. Im Lauf dieser Nacht ereignet sich vieles, was das Leben der beiden von Grund auf ändert. Die Leben der beiden Frauen schlängeln sich von Kapitel zu Kapitel umeinander. Das zeigt sich auch daran, wie die einzelnen Abschnitte gestaltet sind, zu Beginn jeder Einheit. Der ganze Roman ist unterteilt in Nacht und Tag, in Janis und Sina. Raffiniert, dass die beiden Namen bis auf das J dieselben Buchstaben haben. Noch dazu heißt Sina, die ohne J, mit Familiennamen Jott. Ein Kunstgriff auch, dass mal in der Ich-Form (Janis), mal in der 3. Person erzählt wird.
Mir gefiel, dass diverse Lebensfragen und -themen angesprochen wurden. Das gibt etliche Denkanstöße für den Leser. Auch kann man einiges aus dem Fachwissen durchaus für sich nutzen. Liebenswert sind die Augenblicke, wenn Sinas Tochter Ida pantomimisch ein Luftkonzert aufführt, gar noch in aller Öffentlichkeit.
Gut gefiel mir auch die Szene mit Janis‘ Stiefeln beim Versuch, bei Schmittie daheim Erotik ins Spiel zu bringen. Immer wieder werden überraschende Szenen hineingestreut, bunt, vielfältig, lebensnah. Originelle Figuren sind im Spiel, die sofort vor dem inneren Auge erstehen und den Text plastisch werden lassen.
Ich muss beschämt gestehen, dass ich aufgrund des Titels ein eher langweiliges Buch erwartet habe, aber das ist es keineswegs. Nach diesem lesenswerten Roman bin ich neugierig auf Tamar Noorts anderes Werk, ihren Erstling „Die Ewigkeit ist ein guter Ort“. Den muss ich unbedingt auch lesen.