Auswanderung durch die rosarote Brille
Insgesamt hat mir die Geschichte um Rosie gefallen, doch es gibt einige Dinge, die mich gestört haben. Rosie wird mir zu naiv und andererseits zu selbstbewusst dargestellt. Sie geht von heute auf morgen in ein neues Land, um sich ihren Traum zu erfüllen. Sprachprobleme? Kein Problem! Es gibt ja Duolingo und dem Lieferanten bringt man einfach Englisch bei. Das wirkt dermaßen überheblich. Einen Stand im hartumkämpften Markt, bei dem es ewige Wartelisten gibt, quatscht man ebenfalls einfach mal jemandem ab. Die behördlichen Probleme oder Konkurrenzkampf wird in einem Absatz mit klugen Ideen gelöst. Die gesamte Geschichte über schüttelt man über Rosie und ihrer Naivität den Kopf und doch läuft alles wie geschmiert. Mir ist die gesamte Thematik viel zu rosig erzählt. Es gibt kaum Spannung, da sich alles wie von Zauberhand löst. Die Chemie zwischen Rosie und Max ist eher krampfig als liebevoll, obwohl beide ihre romantischen Momente haben. Ich mag zwar die heiteren Dialoge, aber mir fehlt einfach was. Das Ende ist von Zuckerguss überladen, zu dick aufgetragen und unglaublich unrealistisch. Drama hat mir zwar nicht gefehlt, aber zumindest die Probleme hätte man packender in die Länge ziehen können. Mit dem Schreibstil bin ich ebenfalls nicht warm geworden, es wirkt für mich oft wie eine Aufzählung von Problemen und ihren Lösungen.
Der schwimmende Blumenladen von Amsterdam ist eine süße, kurzweilige Geschichte. Über Rosies perfektes, aber chaotischen Auftreten kann ich nur den Kopf schütteln. Es fehlt an Spannung und die Thematik der Auswanderung wurde mir zu sehr durch die rosarote Brille erzählt. Schade, denn die Geschichte hat so viel Potenzial, wenn man sich mehr auf zwei, drei Probleme, statt hunderte konzentriert hätte.