das Leben schaukeln

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coffee2go Avatar

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„Wahrscheinlich hat die Vergangenheit auch ihren Sinn.“ – Rund um diese Aussage dreht sich der Debütroman, der mich als Leserin mit auf eine Reise von Pia, Martin und Britta zwischen Vergangenheit und Gegenwart genommen hat. Die optische Aufmachung finde ich sehr gelungen, vor allem das Symbol der Schaukel kommt am Cover und auch inhaltlich immer wieder vor. Man erfährt als Leser*in aus der Sichtweise der drei Jugendlichen, die in der Gegenwart 20 Jahre älter sind, immer häppchenweise Informationen, was damals passiert ist und wie es zu einer Entfremdung und dem kompletten Kontaktverlust gekommen ist. Aktuell versuchen sie dies mühevoll wieder zu kitten, und in kleinen Schritten ihre Freundschaft mit dem wackeligen Fundament wieder aufzubauen. Dies alles muss schnell gelingen, denn Pia ist an Krebs erkrankt und ihr bleibt nicht mehr viel Zeit.
Ich finde den Umgang mit Pias Krankheit und auch die Beschreibung der Demenzerkrankung von Brittas Vater, vor allem aus Brittas Sicht und auch im Hinblick auf ihre Hingabe und ihre Lebenssituation, die sich von einem Moment auf den anderen komplett ändert, stark. Britta hat sich seit ihrer Jugendzeit am meisten verändert. Auch bei Pia und Martin finde ich es spannend mitzuverfolgen, wie sie sich im Laufe der Zeit und anhand von Schicksalsschlägen mit dem Leben arrangiert und charakterlich verändert haben. Das Thema Tod und Verlustangst hängt immer über der Geschichte der Freundesgruppe, damals wie auch heute wieder, nur der Umgang damit hat sich verändert. Man kann die emotionalen Spannungen beim Lesen sehr gut nachvollziehen und aktiv spüren, obwohl die Erzählweise unaufgeregt und meistens leise ist. Schön finde ich auch, dass am Ende die Kraft der Freundschaft und die auch noch nach Jahren der Entfremdung wieder neu entfachte tiefe Verbundenheit siegt.