Der Sommer, der uns blieb - berührend, emotion, wunderschön!

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
sonja26 Avatar

Von

„Der Sommer, der uns blieb“ von Greta Herrlicher ist nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch ein echtes Highlight.
Schon beim ersten Blick überzeugt das Buch mit seinem hochwertigen Hardcover, einem wunderschön gestalteten Schutzumschlag und einem beinah romantisch anmutenden Farbschnitt, der sofort ins Auge fällt. Besonders gelungen sind auch die sinnigen, fein ausgewählten Zitate zu Beginn jedes Kapitels, die perfekt auf die jeweilige Stimmung einstimmen und dem Buch eine zusätzliche Tiefe verleihen – von mir normalerweise überlesen, dieses Mal als Teil der Geschichte genossen.

Inhaltlich erzählt die Geschichte von den drei ehemaligen Freunden Pia, Britta und Martin, die sich nach vielen Jahren wieder in ihrem Heimatdorf begegnen. Nach dem Abitur hatten sie sich aus den Augen verloren – und schnell wird klar, dass damals etwas vorgefallen ist, über das lange geschwiegen wurde. Während die Vergangenheit nur in kurzen, gezielten Rückblicken angerissen wird, liegt der Fokus vor allem auf der Gegenwart. Gerade genug, um die Vergangenheit zu verstehen und die Gegenwart zu erleben.

Die Charaktere sind dabei unglaublich nahbar: Pia, die freiheitsliebende Fotografin, die die Welt bereist hat; Martin, der noch immer unter dem Einfluss seiner kontrollierenden Mutter steht; und Britta, die nach einer komplizierten Beziehung schwanger in ihre Heimat zurückkehrt, um sich um ihren demenzkranken Vater zu kümmern. Ihre Lebenswege sind unterschiedlich, und doch verbindet sie mehr, als ihnen zunächst bewusst ist.

Besonders berührend für mich ist die Einbettung der Geschichte in die Zeit der Corona-Pandemie. Geschlossene Hotels und Lokale sowie Besuchsverbote im Krankenhaus schaffen eine beklemmende, aber sehr reale Atmosphäre, die in meinem Kopf noch unheimlich präsent ist und mir die Geschichte somit sehr erlebbar macht.

Inmitten dieser Ausnahmesituation spitzt sich alles zu: Pia ist schwer krank, und als klar wird, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt, offenbart sie endlich das gemeinsame Geheimnis der Freunde.

Die Geschichte ist emotional intensiv und geht tief unter die Haut. Ich habe das Buch stellenweise kaum aus der Hand legen können, musste aber immer wieder Pausen einlegen, weil die Handlung für mich so mitnehmend war. Es ist ein sehr berührendes, trauriges Buch, das einen noch lange nach dem Lesen begleitet und bei dem man einfach das Gefühl hat, mich echten Charakteren zu tun zu haben.

Einzig der Epilog konnte mich nicht ganz überzeugen – für mich hätte die Geschichte auch ohne diesen letzten Abschnitt ein stimmiges, offenes Ende gehabt.

Insgesamt ist „Der Sommer, der uns blieb“ ein wunderschön gestalteter und zugleich tief bewegender Roman über Freundschaft, verpasste Chancen, Geheimnisse und die Frage, was im Leben wirklich zählt.