Erinnerungen und Wahrheiten
Der Sommer der uns blieb, Roman von Greta Herrlicher, EBook, Vani Verlag
Drei Freunde eine alte Schuld und ein Sommer der alles veränderte.
Pia Britta und Martin sind allerbeste Freunde, sie wachsen zusammen in einer idyllischen Kleinstadt auf, als Kinder sind sie unzertrennlich obwohl sie grundverschieden sind. Erst als sie erwachsen werden, bekommt die Freundschaft Risse. Sie entwickeln sich in unterschiedliche Richtungen und dann passiert etwas, was den Freundschaftsbund der Kameraden zerstört. Doch nach vielen Jahren treffen sie sich an ihrem Heimatort wieder und endlich als es schon fast zu spät ist, werden alle Wahrheiten ausgesprochen.
Coming of Age-Roman in zwei Zeitebenen, in der Gegenwart und was in der Vergangenheit geschah. Einzelne Kapitel sind mit Zitaten und Namen überschrieben. Dazu kommen die Jahreszahlen der jeweiligen Zeit in der das Kapitel geschieht, die drei Freunde erzählen die Story aus der Sicht des jeweiligen Charakters, was meinen Lesefluss anfangs etwas gehemmt hat. Wenn man die Figuren dann besser kennt, ist der Wechsel der Perspektive leicht zu bewältigen und dem flüssigen weg Lesen steht nichts im Wege.
Die Erzählung verbindet die Geschehnisse aus der Jugendzeit mit den Schicksalen denen sich die drei Figuren als Erwachsene in der Gegenwart stellen müssen. Dadurch ergibt sich die Frage die sich mir gestellt hat – War und ist die Freundschaft stark genug für eine 2. Chance? Und was muss Schlimmes geschehen sein, um eine solche Freundschaft zu zerstören? Immer mehr erfährt der Leser und nähert sich im Laufe der Lektüre immer mehr der Auflösung. Zum Ende hin zeichnet sich ab, dass es wohl in einer Hinsicht nicht mehr gut werden kann und das hat mich wirklich sehr erschüttert, am Ende habe ich noch ein paar Tränen vergossen. Ein wirklich feinfühliger und atmosphärischer Roman.
Die Figuren sind sehr liebevoll charakterisiert, sie sind authentisch und sie handeln nachvollziehbar, eine Lieblingsfigur, wenn ich benennen müsste, könnte es sich um die immer kümmernde und sorgende Britta handeln. Eine Person die ich nicht ausstehen konnte war Margot, die Mutter von Martin, die sich wegen ihrer bösen und kalten Art, wohl selbst um einen schönen Lebensabend betrogen hat.
Es kommen so viele Themen in diesem Buch zur Sprache, das Leben das Sterben, Jugendprobleme und Jugendsünden. Krebs Demenz etc. Eine Geschichte wie sie das Leben hätte selbst schreiben können.
Ich habe mich langsam herangetastet und konnte am Ende nicht mehr aufhören, ich hätte noch weiterlesen mögen, denn ich denke die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende erzählt. An die Fans von Coming of Age-Romanen eine Leseempfehlung. Alle, die emotionale Familien-Geschichten mögen sollten hier zugreifen.
Von mir 5 Sterne.