Zwischen poetischem Zauber und Kalenderspruch-Dichte
Schon nach den ersten Absätzen wird deutlich, welches erzählerische Gewand dieser Roman wählt: Es ist eine klassische Sinnsuche im Mantel einer philosophischen Fabel. Der Protagonist Yuval, mit vierzig Jahren in einer lähmenden Lebenskrise und dem Gefühl des kompletten Stillstands gefangen, lässt das graue Einerlei und sein Smartphone hinter sich, um einem farbenprächtigen Zaubervogel in eine entrückte Zwischenwelt zu folgen. Die Motive bedienen sich freimütig bei antiken und märchenhaften Archetypen – von den drei schicksalswebenden Schicksalsfrauen in der Waldhütte über sprechende Grabsteine mit Lebensweisheiten bis hin zum weisen Müller, der Korn zu goldenem Zeitstaub mahlt.
Was der Leseprobe handwerklich unbestreitbar gelingt, ist eine dichte, beinahe greifbare Sinneswahrnehmung: Der Duft von feuchtem Moos, das Splittern von dünnem Eis unter den Stiefelsohlen und der Mehlstaub auf der Haut erzeugen stimmungsvolle Bilder. Die Idee, dass die Welt rückwärts durch die Jahreszeiten gleitet, um innere seelische Schichten abzutragen, besitzt einen schönen Reiz.
Allerdings leidet der Text an einer spürbaren Überfrachtung mit Lebensweisheiten. Nahezu jede Begegnung, jede Handlung und jeder Gedankengang wird sofort mit einer didaktischen Moral oder einer aphoristischen Formel versehen („Wer den Stein nicht führt, liegt unter ihm“, „Das Herz ist kein Idiot“, „Reue ist ein Kompass“). Statt den Leserinnen und Lesern den Raum zu lassen, das seelische Drama der Hauptfigur selbst zu ergründen, erklärt der Text seine Metaphern permanent selbst. Die Figuren neben Yuval – wie der Müller oder die Schicksalsweberinnen – wirken dadurch eher wie wandelnde Stichwortgeber für Coaching-Sätze als wie lebendige Wesen.
Wer Freude an poetisch-allegorischen Parabeln im Stile von Coelho hat, wird hier voll auf seine Kosten kommen; für eine subtile, psychologisch vielschichtige Charakterstudie greift die symbolische Zuspitzung jedoch etwas zu dick auf.
Ich möchte das Buch eher nicht weiterlesen, weil mir die Fülle an vorformulierten Lebenslehren und Sinnsprüchen auf Dauer die Luft zum eigenen Mitfühlen und Nachdenken nimmt.
Was der Leseprobe handwerklich unbestreitbar gelingt, ist eine dichte, beinahe greifbare Sinneswahrnehmung: Der Duft von feuchtem Moos, das Splittern von dünnem Eis unter den Stiefelsohlen und der Mehlstaub auf der Haut erzeugen stimmungsvolle Bilder. Die Idee, dass die Welt rückwärts durch die Jahreszeiten gleitet, um innere seelische Schichten abzutragen, besitzt einen schönen Reiz.
Allerdings leidet der Text an einer spürbaren Überfrachtung mit Lebensweisheiten. Nahezu jede Begegnung, jede Handlung und jeder Gedankengang wird sofort mit einer didaktischen Moral oder einer aphoristischen Formel versehen („Wer den Stein nicht führt, liegt unter ihm“, „Das Herz ist kein Idiot“, „Reue ist ein Kompass“). Statt den Leserinnen und Lesern den Raum zu lassen, das seelische Drama der Hauptfigur selbst zu ergründen, erklärt der Text seine Metaphern permanent selbst. Die Figuren neben Yuval – wie der Müller oder die Schicksalsweberinnen – wirken dadurch eher wie wandelnde Stichwortgeber für Coaching-Sätze als wie lebendige Wesen.
Wer Freude an poetisch-allegorischen Parabeln im Stile von Coelho hat, wird hier voll auf seine Kosten kommen; für eine subtile, psychologisch vielschichtige Charakterstudie greift die symbolische Zuspitzung jedoch etwas zu dick auf.
Ich möchte das Buch eher nicht weiterlesen, weil mir die Fülle an vorformulierten Lebenslehren und Sinnsprüchen auf Dauer die Luft zum eigenen Mitfühlen und Nachdenken nimmt.