Was das Leben ausmacht

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venenorojo Avatar

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Max A. Edelmanns "Der unsichtbare Elefant" kommt äußerlich schlicht daher, und ich gestehe, dass ich erst auf den zweiten Blick beschlossen habe, auch in das Buch schauen zu wollen. Was für ein Glück! Schon nach den ersten Kapiteln wollte ich gar nicht mehr stoppen und Pausen einlegen, die ich dann teils aus Zeitmangel, teils aus einer Betroffenheit heraus doch gemacht habe. Einige der Kapitel musste ich erst sacken lassen.
Aber kommen wir erst einmal zur (kurzgefassten) Handlung. Der Anwalt Thomas Siebenmorgen stürzt sich an seinem Arbeitsplatz vor den Augen seiner Kollegin María in den Tod und sorgt somit dafür, dass einige Menschen sich eindringlich mit seinem Tod beschäftigen. Da ist María, die seinen letzten Blick vor dem Fall nicht vergessen kann und sich fragt, was Thomas dazu getrieben hat, diesen Schritt zu tun. Da ist Simon, der aus der Münchener Dependance der Anwaltskanzlei intern beauftragt wird, sich mit dem Tod und seinen Gründen auseinanderzusetzen, um auszuschließen, dass der Freitod die Kanzlei in Verruf bringen könnte. Außerdem ist da noch Viktor, der als Notfallseelsorger vor Ort gerufen wird und dort nach kurzer Zeit feststellt, dass es sich bei Thomas um seinen alten Kindheitskumpel handelt, den er aus den Augen verloren hat. Alle drei, die sich auch untereinander austauschen, gehen dem rätselhaften Tod auf die Spur und decken dabei mehrere dunkle Stellen in Thomas' Leben auf. Sie fragen Kolleg:innen, ehemalige Mitschüler:innen, reden mit den Eltern. Stück für Stück kommen dabei andere Puzzleteile ins Spiel, die aber auch durchaus von den Suchenden hinterfragt werden. Wie weit kennt man sich selber? Die Sorgen, die einem wirklich auf der Seele liegen? Wo ist der "unsichtbare Elefant", den vermutlich jeder von uns im Raum stehen hat? Was ist die Wahrheit? Natürlich gibt es keine "einzige" Wahrheit, und so nimmt Thomas logischerweise auch die letzte Frage mit sich ins Jenseits.
Ganz nebenbei vermittelt Max A. Edelmann in seinem Roman viel Allgemeinwissen, aus der Kunst über Geschichte bis hin zu Ausflügen in die Ornithologie.
Mich wird das Buch auch im Nachhinein noch sehr beschäftigen und Fragen in meinem Kopf rumspuken lassen. Und Max A. Edelmann wird definitiv ein Autor sein, der mir noch oft zwischen die Finger geraten wird.