Verirrt in Schweden

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mariehal Avatar

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Die Ausgangsidee von „Der Weg“ klingt nach einer packenden Mischung aus Natur- und Survival-Thriller: Zwei beste Freundinnen brechen zu einer Wanderung auf dem abgelegenen Kungsleden-Wanderweg in Schweden auf, um Julias Junggesellinnenabschied einmal anders zu feiern. Doch als Nicki plötzlich spurlos verschwindet, steht Julia allein in der Wildnis – ohne Karten, ohne Orientierung und mit dem Gefühl, nicht wirklich allein zu sein.

Trotz dieses eigentlich spannungsträchtigen Settings wollte bei mir leider nie so richtig Nervenkitzel aufkommen. Zwar gibt es einen Plottwist, der die Handlung noch einmal in eine andere Richtung lenkt, doch auch dieser konnte die durchgehend eher ruhige Erzählweise nicht entscheidend beleben. Die Geschichte plätschert stellenweise vor sich hin und viele Szenen hätten mehr Dramatik vertragen.

Der Schreibstil ist recht einfach gehalten, was für schnelles Lesen sorgt, aber meiner Meinung nach der Atmosphäre einiges nimmt. Gerade in einem Roman, der von der bedrohlichen Einsamkeit der Natur lebt, hätten detailreichere, dichter beschriebene Stimmungen und Schauplätze für mehr Gänsehaut sorgen können. So bleiben sowohl der Wald als auch die psychologische Tiefe der Figuren etwas blass.

Wer eine kurze, unkompliziert geschriebene Geschichte sucht, die man zwischendurch lesen kann, könnte hier fündig werden. Wer allerdings auf intensive Spannung, tiefgehende Charaktere und eine mitreißende Atmosphäre hofft, wird vermutlich etwas enttäuscht zurückbleiben.