Beklemmend und emotional aufwühlend

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Die ersten Seiten des Romans haben mich sofort in die bedrückende Atmosphäre des Nachkriegsjahres 1945 hineingezogen, von dem mir meine Mutter nur bruchstückhaft erzählt hat.
Melanie Levensohn schildert die erzwungene Einquartierung eines französischen Soldaten bei einer Mutter und ihren Kindern. Ich stelle es mir als eine unvorstellbare Herausforderung vor, den eigenen, ohnehin schon knappen Privatraum mit einem wildfremden Menschen der Besatzungsmacht teilen zu müssen – eine Situation, die für die Frauen damals aufgrund ständiger Angst vor Übergriffen extrem kritisch und gefährlich war.

Besonders berührt hat mich der dargestellte, zermürbende Überlebenskampf. Dass selbst das Absammeln von Kartoffelkäfern mangels Pestiziden oder aufgrund der Kriegswirtschaft reine, zeitraubende Handarbeit war, verdeutlicht den harten Alltag. Wenn die Mutter im Buch sagt, dass alles zu einem Kampf geworden ist, seit der Vater weg ist (vermutlich in Kriegsgefangenschaft), weckt das tiefe persönliche Erinnerungen in mir. Genau diesen Satz – „Das Leben ist ein Kampf“ – hat meine eigene Mutter, die damals besonders große Angst vor den marokkanischen Kolonialsoldaten hatte, ihr ganzes Leben lang wiederholt.

Der Einstieg wirft für mich auch historisch spannende Fragen auf: Wie ging man in Deutschland mit Frauen um, die sich mit den Besatzern einließen? Aus dem Französischunterricht weiß ich, dass Französinnen nach der Befreiung die Haare geschoren wurden, wenn sie Beziehungen zu deutschen Soldaten hatten. Was den deutschen Frauen passierte, die Verbindungen zu Franzosen eingingen, ist mir unbekannt und wurde wohl totgeschwiegen – genau wie über so vieles andere nicht gesprochen wurde.
Die Leseprobe bricht an einer unheimlich spannenden Stelle ab. Ich möchte unbedingt erfahren, wie sich das Schicksal dieser Familie weiterentwickelt und wie dieses tabuisierte Kapitel unserer Geschichte im Roman beleuchtet wird.

Es ist immer wieder erstaunlich zu entdecken, dass selbst fast ein Jahrhundert nach Kriegsende immer noch nicht alle Aspekte aus dieser Zeit erzählt wurden.