Der Krieg im Kartoffelbrei
Es ist ein durchaus reizvoller Gegensatz, mit dem Melanie Levensohn hier beginnt: Da ist auf der einen Seite das zerstörte Deutschland unmittelbar nach Kriegsende, Hunger, Angst und die völlige Unsicherheit darüber, was aus den Menschen und ihrem bisherigen Leben werden soll. Und mittendrin die junge Liese, die eigentlich mit Anstehen, Kartoffelkäfern und der Sorge um den verschollenen Vater beschäftigt sein müsste – und sich ausgerechnet in einen französischen Besatzungssoldaten verliebt.
Gerade diese Perspektive finde ich interessant, weil der Roman die große historische Situation zunächst ganz klein erzählt. Der Krieg steckt im Kartoffelbrei, in den gehüteten Zigarren des Vaters, in einem Stück Butter oder echtem Kaffee und natürlich in dem fremden Mann, der plötzlich im Arbeitszimmer des Vaters schlafen soll. Das funktioniert erstaunlich gut, weil Geschichte hier weniger erklärt als über Lieses Alltag erfahrbar wird.
Etwas skeptischer bin ich bei Michel. Der schöne, blonde, höfliche Franzose mit den eisblauen Augen, dem melodischen Akzent und dem echten Kaffee kommt schon sehr vollkommen als romantische Verheißung daher. Auch die Annäherung über französische Wörter bis hin zu "un regard" und schließlich "un baiser" ist fast ein wenig zu schön komponiert. Gerade weil Liese so jung, unerfahren und ihm als Angehörigem der Besatzungsmacht keineswegs auf Augenhöhe begegnet, hoffe ich, dass der Roman diese Beziehung später komplizierter betrachtet, als es die ersten Seiten zunächst vermuten lassen.
Denn genau darin könnte für mich die eigentliche Stärke der Geschichte liegen: Liese erlebt Michel als Öffnung in eine andere, leichtere Welt, während wir als Leser schon ahnen, ja vom Klappentext wissen, wie fragil diese Verheißung sein muss. Zumal der Krieg allen noch in den Knochen steckt. Dazu kommt mit Maya im Prolog eine zweite Zeitebene, deren Verbindung zu Liese noch vollkommen offen bleibt.
Gerne möchte ich weiterlesen. Nicht unbedingt, weil mich die beginnende Liebesgeschichte überzeugt hätte, sondern weil dieser in der zeitgenössischen Literatur eher seltene Blick auf die Nachkriegszeit und deren Zerrissenheit mich interessiert und was der Roman aus ihr macht.
Gerade diese Perspektive finde ich interessant, weil der Roman die große historische Situation zunächst ganz klein erzählt. Der Krieg steckt im Kartoffelbrei, in den gehüteten Zigarren des Vaters, in einem Stück Butter oder echtem Kaffee und natürlich in dem fremden Mann, der plötzlich im Arbeitszimmer des Vaters schlafen soll. Das funktioniert erstaunlich gut, weil Geschichte hier weniger erklärt als über Lieses Alltag erfahrbar wird.
Etwas skeptischer bin ich bei Michel. Der schöne, blonde, höfliche Franzose mit den eisblauen Augen, dem melodischen Akzent und dem echten Kaffee kommt schon sehr vollkommen als romantische Verheißung daher. Auch die Annäherung über französische Wörter bis hin zu "un regard" und schließlich "un baiser" ist fast ein wenig zu schön komponiert. Gerade weil Liese so jung, unerfahren und ihm als Angehörigem der Besatzungsmacht keineswegs auf Augenhöhe begegnet, hoffe ich, dass der Roman diese Beziehung später komplizierter betrachtet, als es die ersten Seiten zunächst vermuten lassen.
Denn genau darin könnte für mich die eigentliche Stärke der Geschichte liegen: Liese erlebt Michel als Öffnung in eine andere, leichtere Welt, während wir als Leser schon ahnen, ja vom Klappentext wissen, wie fragil diese Verheißung sein muss. Zumal der Krieg allen noch in den Knochen steckt. Dazu kommt mit Maya im Prolog eine zweite Zeitebene, deren Verbindung zu Liese noch vollkommen offen bleibt.
Gerne möchte ich weiterlesen. Nicht unbedingt, weil mich die beginnende Liebesgeschichte überzeugt hätte, sondern weil dieser in der zeitgenössischen Literatur eher seltene Blick auf die Nachkriegszeit und deren Zerrissenheit mich interessiert und was der Roman aus ihr macht.