Ein verdrängtes Thema

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hamaelma Avatar

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Das Cover ist das Stärkste an der Leseprobe: ein Kinderfoto, dessen Schatten so lang ist, dass er das halbe Bild durchzieht. Deutlicher kann man kaum zeigen, dass hier eine Vergangenheit ein ganzes Leben überschattet.
Der Text selbst hat mich zwiespältig zurückgelassen. Stark ist er dort, wo er genau beobachtet. Die Nachkriegsnot wird nicht behauptet, sondern über den Gaumen erzählt: Kartoffelbrei aus Schalen und Wurzeln, Muckefuck mit Saccharin, die weggeworfenen Schnecken in Butter. Interessant finde ich auch, dass die Figuren ihre Prägung durch den Nationalsozialismus nicht ablegen. Liese findet den Leutnant schön „wie ein Arier“, Katrin ist erleichtert, dass er „kein Schwarzer“ ist. Der Text kommentiert das nicht, er stellt es einfach hin. Das ist unbequem und gerade deshalb glaubwürdig.
Schwächer ist die Liebesgeschichte. Eisblaue Augen, rasendes Herz, ein Schwarm Stare im Bauch: Hier verlässt sich die Autorin auf Bilder, die man aus zahllosen Romanen kennt. Dazu kommt, dass Michel ein bewaffneter Besatzer ist, der ein abhängiges, hungriges Mädchen mit Kaffee und Schokolade umwirbt. Der Text erzählt das ganz aus Lieses verliebter Sicht. Ob der Roman später einen kritischeren Blick darauf wirft, ist für mich die entscheidende Frage.
Weiterlesen will ich besonders wegen des Stoffs. Dass Frankreich nach dem Krieg Kinder aus deutsch-französischen Beziehungen systematisch nach Frankreich brachte und dort adoptieren ließ, wusste ich nicht. Ein solches Thema verdient einen Roman. Ich hoffe, dass er ihm gerecht wird und nicht in Romantik versinkt.