Überzeugend

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therealmike Avatar

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Dieser Auftakt hat mich mit seinem warmen, bildhaften Ton überzeugt. Der kurze Prolog mit Maya und ihrem Großvater im Napa Valley, seine Gedanken über Mond, Reben und das Lied der Natur, setzt eine leise, fast märchenhafte Note, die neugierig macht, auch wenn sie im Vergleich zum Folgenden fast zu gefällig bleibt. Der Satz, dass sie die Melodie über zwanzig Jahre später nicht mehr hört, deutet immerhin an, dass dahinter eine Geschichte steckt.

Im ersten Kapitel rückt dann Herxheim im Frühjahr 1945 in den Vordergrund, und hier wird der Roman greifbar. Der Alltag aus Kartoffelstampf, Anstehen, Kartoffelkäferdienst und Ersatzkaffee ist anschaulich und ohne Pathos erzählt. Die Szene mit den Schnecken, die Mutter wie Leberspätzle brät und die auf dem Mist landen, hat mich trotz aller Not zum Schmunzeln gebracht und zeigt das Aufeinanderprallen der Kulturen sehr bildhaft. Auch Liese, Katrin und die strenge, verbitterte Mutter sind mit wenigen Strichen lebendig gezeichnet.

Die Beziehung zwischen Liese und dem französischen Leutnant entwickelt sich sehr zart, mit den Französischlektionen am Küchentisch und dem echten Bohnenkaffee als Verführung. Gleichzeitig bleibt die Bedrohung spürbar, etwa in Lieses Angst vor Übergriffen, und die Frage, wie frei diese Nähe zwischen Besatzer und Besetzter wirklich ist, schwingt mit. Ein wenig klischeehaft wirkt für mich der strahlend schöne, wohlerzogene Offizier, der bisher kaum Ecken zeigt, und das Verliebtheitsgefühl wird stellenweise sehr dick aufgetragen.

Der Titel "Deutsches Kind" legt nahe, dass hier ein Kind aus dieser Verbindung hervorgehen könnte. Ich bin gespannt, wie sich das Verhältnis zwischen Liese und Michel entwickelt und wie die Linie zu Maya in Kalifornien am Ende verknüpft wird.