Eine generationenüberspannende Familiengeschichte

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heikedoris Avatar

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Selten habe ich ein Buch so schnell durchgelesen wie dieses. Es hat es unter die Top 3 meiner Lieblingsbücher 2026 geschafft.


Diesmal führt uns Melanie Levensohn ("Der Morgen nach dem Regen" und "Zwischen uns ein ganzes Leben" - beide ebenfalls wundervoll) in ein trauriges Kapitel der Nachkriegsgeschichte. Alles beginnt im April 1945 in Herxheim, einer Kleinstadt in der Pfalz. Herxheim ist kurz vor Kriegsende bereits französische Zone. Nach dem Ende des Krieges werden französische Soldaten bei deutschen Familien einquartiert. So auch bei Liese, ihrer Mutter und der jüngeren Schwester Katrin. Zwischen dem jungen gut aussehenden Michel und der anfangs 16 jährigen Liese besteht sofort eine Anziehung und es kommt, wie es kommen muss: Liese wird mit gerade mal 17 Jahren schwanger. Kurz vor Weihnachten 1947 wird Michel zurück nach Frankreich beordert, verschwindet 1948 komplett aus Lieses Leben und sie bringt ledig und minderjährig einen kleinen Jungen zur Welt. Diese Mütter und ihre so genannten Besatzungskinder wurden gesellschaftlich geächtet, und für Liese beginnt ein Spießrutenlauf sondergleichen.

Doch es kommt noch schlimmer: Frankreich lässt all diese Besatzungskinder registrieren, in Heime bringen und vermittelt sie von dort an französische Paare nach Frankreich. Ihre Mütter sehen sie nie wieder.

2026 lebt der damalige kleine Junge als knapp 80 jähriger Weinbauer in Kalifornien. In einem Gespräch mit seiner Enkelin Maya äußert er den Wunsch, doch endlich mehr über seine Herkunft zu erfahren. Diese scheut sich nicht, direkt nach Deutschland zu fliegen und sich auf Spurensuche zu begeben.

Das Buch spielt auf verschiedenen Zeitebenen. 1945 - 48 in Herxheim, 1963 im Burgund und schließlich 2026 in der Pfalz und im Napa Valley. Die verschiedenen Handlungsstränge sind gut miteinander verwoben, wir erfahren parallel zum eigentlichen Handlungsstrang etwas über den Weinanbau im Napa Valley und der Einblick in die deutsch/französische Nachkriegsgeschichte lässt einen sprachlos zurück. Ich habe mit Liese gelitten aber auch mit ihrem Sohn, ich habe die Recherche atemlos verfolgt und war dann traurig, als das Buch zu Ende war.

Melanie Levensohn hat mich auch bei ihrem dritten Buch völlig abgeholt, sprachlich überzeugt und mir ein großes Lesevergnügen beschert. Wie auch bei ihren vorangegangenen Büchern sind die Charaktere sehr gut ausgearbeitet authentisch und nachvollziehbar. Die geschichtlichen Geschehnisse beruhen auf Tatsachen und einmal mehr wird klar, was Krieg und seine Folgen für Menschen bedeutet.