Entwurzelt
In diesem Buch von Melanie Levensohn wird ein Stück deutsch-französischer Geschichte behandelt, das lange unter Verschluss gehalten wurde. Erst 2010 nach Ablauf einer 60igjährigen Sperrfrist wurden die Akten freigegeben, die über die wahre Herkunft von rund 1500 Kindern, die in Deutschland mit einem deutschen und einem französischen Elternteil nach dem 2. Weltkrieg (zwischen 1946 und 1951) geboren wurden und durch Adoption nach Frankreich kamen, Auskunft gaben.
Die Autorin verwebt in ihrem Buch Andrés beziehungsweise Johannes Geschichte mit der seiner Enkelin Maya. Der 80jährige Winzer aus Kalifornien bittet Maya um Hilfe. Er möchte nach langer Ungewissheit herausfinden, wer seine leiblichen Eltern waren. Seine Enkelin, selbst als Winzerin tätig, macht sich in Deutschland auf die Suche nach der Familie von Johannes Mutter. Dabei stößt sie nicht nur auf die aufwühlende Geschichte der „Besatzungskinder“, deren grausamen Selektion und ungewissen Schicksalen, sondern findet in der Aufarbeitung ihrer Familiengeschichte auch mehr Zeit, sich mit sich selbst und ihrer Zukunft auseinanderzusetzen.
„Deutsches Kind“ ist in einem angenehm zu lesenden Schreibstil verfasst. Die verschiedenen Erzählperspektiven unterschiedlicher Charaktere und die Zeitsprünge beleben das Buch. Man lernt die einzelnen Figuren darin recht schnell kennen, wobei bei einigen nur an der Oberfläche gekratzt wird oder sie sich in einer festgelegten Charakterstruktur bewegen, die nicht aufgebrochen wird. Maya, André/Johannes und insbesondere Liese zeigen jedenfalls viel Tiefe und ihre Lebensumstände werden vielschichtig dargestellt.
Ich hatte mir vom Buch erwartet, mehr über das Schicksal von Johannes/André zu erfahren. Ich war sicher von einer kürzlich gesehenen Dokumentation über die „Kinder des Staates“ beeinflusst, in der ich zum ersten Mal von diesem leidvollen Thema der Nachkriegsgeschichte erfahren habe. Trotzdem hat die Mischung mit Mayas Geschichte gut gepasst, besonders wenn man das Nachwort der Autorin liest, versteht man ihre Motivation, den Familienroman so zu schreiben, wie sie es getan hat. Die aktuelle Komponente, die den Klimawandel und die damit einhergehenden Probleme für die Landwirtschaft thematisiert, bringt einen Realitätsbezug mit, der dazu beiträgt, auch die Geschichte der „Besatzungs- bzw. Befreiungskinder“ nicht nur in der Vergangenheit zu verorten. Vielmehr wird bewusst gemacht, dass das Vergangene Auswirkungen auf das Heute hat, ob global oder familiär.
Für mich war der Verlauf der Geschichte an einigen Stellen etwas zu vorhersehbar, was trotz des guten Aufbaus des Buches und der sehr interessanten Thematik, meine Lesefreude ein wenig trübte. „Deutsches Kind“ ist jedoch auf jeden Fall eine empfehlenswerte Lektüre!
Die Autorin verwebt in ihrem Buch Andrés beziehungsweise Johannes Geschichte mit der seiner Enkelin Maya. Der 80jährige Winzer aus Kalifornien bittet Maya um Hilfe. Er möchte nach langer Ungewissheit herausfinden, wer seine leiblichen Eltern waren. Seine Enkelin, selbst als Winzerin tätig, macht sich in Deutschland auf die Suche nach der Familie von Johannes Mutter. Dabei stößt sie nicht nur auf die aufwühlende Geschichte der „Besatzungskinder“, deren grausamen Selektion und ungewissen Schicksalen, sondern findet in der Aufarbeitung ihrer Familiengeschichte auch mehr Zeit, sich mit sich selbst und ihrer Zukunft auseinanderzusetzen.
„Deutsches Kind“ ist in einem angenehm zu lesenden Schreibstil verfasst. Die verschiedenen Erzählperspektiven unterschiedlicher Charaktere und die Zeitsprünge beleben das Buch. Man lernt die einzelnen Figuren darin recht schnell kennen, wobei bei einigen nur an der Oberfläche gekratzt wird oder sie sich in einer festgelegten Charakterstruktur bewegen, die nicht aufgebrochen wird. Maya, André/Johannes und insbesondere Liese zeigen jedenfalls viel Tiefe und ihre Lebensumstände werden vielschichtig dargestellt.
Ich hatte mir vom Buch erwartet, mehr über das Schicksal von Johannes/André zu erfahren. Ich war sicher von einer kürzlich gesehenen Dokumentation über die „Kinder des Staates“ beeinflusst, in der ich zum ersten Mal von diesem leidvollen Thema der Nachkriegsgeschichte erfahren habe. Trotzdem hat die Mischung mit Mayas Geschichte gut gepasst, besonders wenn man das Nachwort der Autorin liest, versteht man ihre Motivation, den Familienroman so zu schreiben, wie sie es getan hat. Die aktuelle Komponente, die den Klimawandel und die damit einhergehenden Probleme für die Landwirtschaft thematisiert, bringt einen Realitätsbezug mit, der dazu beiträgt, auch die Geschichte der „Besatzungs- bzw. Befreiungskinder“ nicht nur in der Vergangenheit zu verorten. Vielmehr wird bewusst gemacht, dass das Vergangene Auswirkungen auf das Heute hat, ob global oder familiär.
Für mich war der Verlauf der Geschichte an einigen Stellen etwas zu vorhersehbar, was trotz des guten Aufbaus des Buches und der sehr interessanten Thematik, meine Lesefreude ein wenig trübte. „Deutsches Kind“ ist jedoch auf jeden Fall eine empfehlenswerte Lektüre!