Wenn Herkunft zur Leerstelle wird

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Melanie Levensohn erzählt in „Deutsches Kind“ von einem Kapitel der Nachkriegszeit, über das kaum gesprochen wird: den Kindern deutscher Frauen und französischer Besatzungssoldaten. Auf der einen Ebene verliebt sich die junge Liese 1945 in den einquartierten Leutnant Michel. Auf der anderen reist Winzerin Maya aus Kalifornien nach Herxheim, um für ihren Großvater dessen Wurzeln zu finden.

Besonders stark fand ich die Vergangenheitsebene. Hunger, Anstehen, Misstrauen im Dorf und die zarte, heimliche Annäherung der beiden sind so greifbar geschildert, dass man Liese gern vor dem Kommenden bewahren würde. Dass Mütter ihre Kinder verlieren konnten, hat mich betroffen gemacht. Die Gegenwartsebene mit Weinbau und Familienfragen ergänzt das gut, auch wenn mich die Vergangenheit emotional mehr gepackt hat.

Ein bewegender, gut lesbarer Familienroman mit starken Frauenfiguren. Klare Leseempfehlung für alle, die Geschichte gern über persönliche Schicksale erleben.