Wunderbare Botschaft

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tanjas buchgarten Avatar

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In „Die Anderen“ von Kobi Yamada treffen zwei Jungen auf eine Hecke, hinter der die anderen leben. Was zunächst nach einer klaren Trennung zwischen „uns“ und „ihnen“ aussieht, wird durch ihre Unterhaltung immer wieder neu hinterfragt.
Das Bilderbuch konnte mich begeistern. Besonders gelungen fand ich, wie sich die Unterhaltung der beiden Jungen entwickelt und sich dabei Schritt für Schritt der Blick auf die anderen verändert.
Schon auf der ersten Seite trennt eine Hecke die beiden Jungen von „den anderen“, die zunächst nur als diffuses Knäuel erscheinen. Für mich eine schöne Idee: Das Knäuel wird zur Projektionsfläche für all das, was man sich unter den anderen vorstellt – und verändert sich mit den Vorstellungen im Gespräch.



Die Frage „Welche andere?“ bringt die Geschichte ins Rollen. Zunächst geht es um das Aussehen, dann immer mehr um das Innere; Haben sie ein Herz und ein Gehirn, können sie denken, fühlen, traurig oder einsam sein? Schließlich geht es nicht mehr nur darum, dass sie Gefühle haben, sondern wie sie sich fühlen. So führt das Gespräch vom Äußeren über die Gemeinsamkeiten hin zur Perspektivübernahme.


Besonders schön: Der skeptische Junge wird nicht belehrt. Durch die Fragen des anderen muss er seine eigenen Vorstellungen immer wieder überprüfen – bis aus „den anderen“ – Menschen werden.



Aber es sind immer noch „die anderen“ sie sind „von drüben“, nicht von hier. Sodass der Fragen stellende Junge nun mit „Hier“ und „Drüben“ spielt – indem er über die Hecke klettert – und damit selbst zu einem „der anderen“ wird. Auch hier wird wieder geprüft – und plötzlich wird klar.
Die Hecke trennt nicht zwei bestehende Gruppen, sondern zwei Blickwinkel. Von hier aus sind sie die anderen, von dort aus sind wir die anderen. Indem zeichnerisch nun ein erhöhter Blickwinkel eingenommen wird, wird klar das es viele Hecken (Gärten) gibt sodass man zu der Erkenntnis gelangen kann. Es gibt nicht nur ein „Wir“ und „die anderen“ sondern viele Perspektiven und Zugehörigkeiten.
Gerade das Zusammenspiel von Dialog und Bild macht für mich die Qualität des Buches aus. Nach und nach entsteht die Erkenntnis, ass Menschen verschieden sein können und „wir“ und „die anderen“ trotzdem keine festen Kategorien sind.


Für mich ein kluges, vielschichtiges Bilderbuch, das weniger durch Handlung als durch seinen Gedanken- und Perspeltivwechsel die Geschichte trägt.



Wer eine spannende oder lustige Geschichte erwartet dürfte enttäuscht werden. Auch finde ich es fraglich ob und inwieweit Kinder diese Botschaft bewusst oder unbewusst erfassen können.
Für Kinder in Begleitung von Erwachsenen, die gerne Fragen weiterdenken und um miteinander ins Gespräch zu kommen.