Alt und arm vs. weiß und reich

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frauke_liest Avatar

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‚Die Auster‘ ist nur vordergründig ein Kriminalroman, auch wenn die Geschichte mit dem Auffund der Leiche von Leonoras Arbeitgeber beginnt. Eigentlich beleuchtet es eher das gesellschaftliche Thema ‚alt und arm‘ vs. ‚weiß und reich‘. Leonora ist schließlich Putzkraft - und damit ganz unten anzusiedeln im Prestige der verschiedenen Jobs. Dr. Bronstett hingegen ist Geschäftsführer, männlich, weiß und reich - und nun eben auch noch tot. Doch selbst im Tod wirkt seine gesellschaftliche Überlegenheit nach, in Form seines Geldes und seiner Tochter. Und im Verlaufe der Geschichte wird - wenig überraschend - immer klarer, wer das ehrbarere Leben führt, allen Vorurteilen zum Trotz.
Mir hat diese doch eher unübliche Perspektive sehr gut gefallen, sie kam mir authentisch vor. Trotzdem war ‚Die Auster‘ für mich nicht ganz rund - irgendwie wurde mir nicht ganz klar, warum Leonora sich doch so für die Aufklärung des Falls interessiert hat und einsetzt. Auch ihr eigenes Päckchen - der länger zurückliegende Tod ihres Sohnes - macht noch so ein großes neues Faß auf, dass es die Geschichte irgendwie sprengt und dem Thema nicht gerecht wird.
Nichtsdestotrotz liest sich die Geschichte flüssig. Ich empfehle sie denen, die Lust haben auf einen etwas anderer Gesellschaftskrimi.