Anders als erwartet

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In Die Auster von Yael Inokai begleiten wir die Protagonistin Leonora, die als Reinigungskraft bei Dr. Bronstett, Geschäftsführer eines Kaufhauses, arbeitet und diesen tot auffindet. Im Laufe des Romans erfahren wir einiges zu Leonoras Vergangenheit, den Dynamiken im Kaufhaus, und auch zum Mordfall.
Leider ist dieser Roman meiner Meinung nach etwas missverständlich vermarktet worden. Ich hatte ihn mir ausgesucht, weil ich Lust auf einen Krimi hatte, bekam aber eher eine gesellschaftskritische Milieu-Studie. Das heißt nicht, dass der Roman grundsätzlich schlecht ist, einige Aspekte fand ich wirklich gut, vor allem die Anspielungen, die teils erst im Nachhinein ersichtlich werden und die bildhafte Sprache, die doch oft dichter ist als es auf den ersten Blick scheint. Dennoch hat mich der Roman gegen Ende hin verloren, und die dann sehr zügige und nicht ganz nachvollziehbare Abwicklung des Kriminalfalls lassen mich etwas ratlos zurück.
Es bleiben also viele Fragen (Wieso hat Leonora als versierte Krimischauerin erstmal den Tatort geputzt? Wieso werden so viele Elemente erwähnt, die irrelevant bleiben?) und eine Enttäuschung, denn die Prämisse hat in mir große Erwartungen geweckt.
Ich kann mir gut vorstellen, dass man komplett andere Leseerfahrungen macht, wenn man mit einer anderen Erwartungshaltung an dieses Buch herangeht. Daher empfehle ich, den Roman eben nicht als Krimi zu sehen, und so offen für andere Lesarten zu sein.