Atmosphärisch, aber ohne echte Spannung

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"Die Auster" ist kein klassischer Kriminalroman. Zwar beginnt die Geschichte mit einem Mord, doch die eigentliche Ermittlungsarbeit spielt im weiteren Verlauf der Story kaum eine Rolle. Stattdessen steht Leonora, eine 73-jährige Reinigungskraft, im Mittelpunkt, die ihren langjährigen Arbeitgeber tot auffindet und zunächst den Tatort säubert, bevor sie Hilfe holt. Allein dieser ungewöhnliche Einstieg hat mich neugierig gemacht.

Der Roman konzentriert sich vor allem auf Leonoras Wahrnehmungen, Erinnerungen und ihren Alltag, wodurch eine ruhige, nachdenkliche Atmosphäre entsteht. Gleichzeitig sorgt diese Erzählweise aber auch dafür, dass die Handlung oft nur langsam vorankommt. Viele Dinge werden lediglich angedeutet, sodass man sich so einiges selbst erschließen muss.

Auch die Figuren blieben für mich auf Distanz. Leonora ist zwar interessant gestaltet und ihre Verschlossenheit passt gut zum Titel des Buches, dennoch konnte ich keine wirkliche emotionale Bindung zu ihr aufbauen. Ähnlich ging es mir mit den übrigen Charakteren, deren Motive und Verhalten oft schwer nachvollziehbar waren.

Wer ruhige, literarische Romane mit einer besonderen Atmosphäre schätzt, könnte an "Die Auster" durchaus Gefallen finden. Ich hatte mir jedoch mehr Dynamik, klarere Entwicklungen und stärkere Figuren gewünscht. Insgesamt war das Buch für mich solide, konnte mich aber nicht vollständig überzeugen.