Die tat(ort)kräftige Putzfrau im Kaschmirpullover
Die 73-jährige Leonora findet ihren langjährigen Arbeitgeber und Leiter eines Kaufhauses tot vor – das hört sich nach Kriminalgeschichte an.
Und ist es auch: es gibt ein paar Verdächtige (zu denen auch die undurchsichtige Hauptprotagonistin zählt) und am Ende ist der Fall geklärt.
Und ist es doch nicht: denn von der Ermittlerarbeit der Polizei wird nichts preisgegeben und Leonora spielt nicht Detektivin. Jedenfalls nicht bewusst. Mehr so, dass sie als Raumpflegerin automatisch das eine oder andere mitbekommt.
Als Leser/in ist man ganz auf sie und ihre Beobachtungen angewiesen – und muss dann, wie Leonora auch, zu eigenen Schlüssen finden. Das macht die Lektüre anspruchsvoll, denn obwohl die Handlung eigentlich chronologisch erfolgt, schleichen sich Träume und Rückblenden in Leonoras Wahrnehmung ein, die man als Außenstehende/r erst einmal zusammenpuzzeln muss. Ein Spannungsbogen ergibt sich eher darin, welches Teilchen wohl noch fehlt, als in überraschenden Plottwists.
„Die Auster“ lebt also in erster Linie von seinen Figuren, die allesamt kantig und schrullig gezeichnet sind, aber nicht unbedingt auf liebevoll-empathische Weise, was sie wenig nahbar und in einigen Fällen auch wenig authentisch erscheinen lässt.
Ähnliches gilt auch für die Sprache: diese lebt von Komplexität, außergewöhnlichen Bildern und vielen Andeutungen. Letzteres passt vorzüglich zur Hauptprotagonistin, die selber lieber zu wenig als zu viel sagt. Hingegen harmoniert das hohe literarische Niveau nicht mit dem eher bildungsfernen Putzfrauen-Milieu. Trotz einiger anstreichwürdiger Sätze wirkt das zu aufgesetzt-gestelzt.
Meine Bewertung fällt aus diesen Gründen durchwachsen aus. Grundsätzlich habe ich "Die Auster" interessiert und gerne gelesen. Der gut 200-seitige Roman punktet mit einer scharfen Beobachtungsgabe und vielen kleinen angeblichen Nebensächlichkeiten, die sich zu einem runden Ganzen zusammenfügen. Allerdings hinterlässt er aufgrund der Distanz zu seinen Figuren und ihren Hintergründen wenig bleibenden Eindruck. Als literarisches Projekt kann er nicht gänzlich überzeugen, für einen Krimi ist er zu wenig fesselnd, für eine Gesellschaftsstudie bleiben die angerissenen Themen zu blass und zu wenig pointiert dargestellt.
Und ist es auch: es gibt ein paar Verdächtige (zu denen auch die undurchsichtige Hauptprotagonistin zählt) und am Ende ist der Fall geklärt.
Und ist es doch nicht: denn von der Ermittlerarbeit der Polizei wird nichts preisgegeben und Leonora spielt nicht Detektivin. Jedenfalls nicht bewusst. Mehr so, dass sie als Raumpflegerin automatisch das eine oder andere mitbekommt.
Als Leser/in ist man ganz auf sie und ihre Beobachtungen angewiesen – und muss dann, wie Leonora auch, zu eigenen Schlüssen finden. Das macht die Lektüre anspruchsvoll, denn obwohl die Handlung eigentlich chronologisch erfolgt, schleichen sich Träume und Rückblenden in Leonoras Wahrnehmung ein, die man als Außenstehende/r erst einmal zusammenpuzzeln muss. Ein Spannungsbogen ergibt sich eher darin, welches Teilchen wohl noch fehlt, als in überraschenden Plottwists.
„Die Auster“ lebt also in erster Linie von seinen Figuren, die allesamt kantig und schrullig gezeichnet sind, aber nicht unbedingt auf liebevoll-empathische Weise, was sie wenig nahbar und in einigen Fällen auch wenig authentisch erscheinen lässt.
Ähnliches gilt auch für die Sprache: diese lebt von Komplexität, außergewöhnlichen Bildern und vielen Andeutungen. Letzteres passt vorzüglich zur Hauptprotagonistin, die selber lieber zu wenig als zu viel sagt. Hingegen harmoniert das hohe literarische Niveau nicht mit dem eher bildungsfernen Putzfrauen-Milieu. Trotz einiger anstreichwürdiger Sätze wirkt das zu aufgesetzt-gestelzt.
Meine Bewertung fällt aus diesen Gründen durchwachsen aus. Grundsätzlich habe ich "Die Auster" interessiert und gerne gelesen. Der gut 200-seitige Roman punktet mit einer scharfen Beobachtungsgabe und vielen kleinen angeblichen Nebensächlichkeiten, die sich zu einem runden Ganzen zusammenfügen. Allerdings hinterlässt er aufgrund der Distanz zu seinen Figuren und ihren Hintergründen wenig bleibenden Eindruck. Als literarisches Projekt kann er nicht gänzlich überzeugen, für einen Krimi ist er zu wenig fesselnd, für eine Gesellschaftsstudie bleiben die angerissenen Themen zu blass und zu wenig pointiert dargestellt.