ein mord, ein kaufhaus und machtverhältnisse
ich bin da ziemlich schnell in diesen kaufhaus-kosmos reingerutscht weil es sich weniger wie ein klassischer krimi anfühlt und mehr wie ein eigener kleiner gesellschaftsraum in dem jede etage ihre eigene logik hat. dieses zusammenspiel aus glanz und etwas sehr stiller leere hat mich direkt gepackt. was mich beim lesen am meisten interessiert hat war leonora selbst. sie steht eigentlich immer im hintergrund und trotzdem hat ich das gefühl das genau sie alles sieht. diese kombination aus unsichtbarkeit und wissen hat sie für mich zu einer total spannenden figur gemacht, gerade weil sie nicht die typische ermittelnde hauptrolle einnimmt. die geschichte lebt für mich weniger vom mordfall selbst sondern von den menschen die in diesem system kaufhaus funktionieren oder eben darin verschwinden. ich fand es interessant wie stark klasse, arbeit und machtverhältnisse mitschwingen ohne das das jemals trocken erklärt wird. sprachlich ist das alles eher ruhig erzählt, fast beobachtend und genau dadurch entsteht diese besondere atmosphäre die sich langsam aufbaut und dann bleibt. mich hat am ende vor allem dieses gefühl beschäftigt das hier niemand wirklich außen vor ist, selbst wenn manche figuren so wirken als wären sie unsichtbar. eher so ein roman der sich leise in die gedanken setzt und nicht sofort wieder verschwindet..