Ein vielschichtiges Buch
Das Buchcover des Romans "Die Auster" von Yael Inokai erinnert auf den ersten Blick eher an ein Gemälde als ein Buchcover. Das Gleiche gilt auch für den Titel, der auf den ersten Blick so gar nicht zum Buchcover oder zum Klappentext des Buches passen mag. Während der Lektüre habe ich jedoch gemerkt, wie passend der Titel wirklich ist. Er beschreibt perfekt wie die Hauptfigur Leonora Bloch in Wahrheit ist. Leonora Bloch ist nämlich so verschlossen und vielschichtig wie eine Auster. Man erfährt nämlich nur stückchensweise mehr über sie, da sie sich gegenüber den anderen Figuren und auch der Leserin stets verschlossen gibt. Erst im Laufe der Handlung werden die vielen Schichten der Leonora Bloch langsam aber sicher sichtbar. Diese Vielschichtigkeit und das langsame Entdecken ihrer Person fand ich hervorragend gemacht und ich habe es mit großer Freude gelesen. Der Mord, der die Ausgangslage der Handlung bildet, tritt dabei häufig in den Hintergrund. Hier hätte ich mir tatsächlich ein bisschen mehr Spannung gewünscht, diese kommt allerdings nicht auf und zeitweise vergisst man sogar ein wenig, dass er stattgefunden hat. Das Buch ist eben wirklich das, was es verspricht, ein Roman und kein Krimi.