Ermittlungen in der Austernbar - mehr als ein Krimi

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vanessa_91 Avatar

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Meine Meinung

Yael Inokais Roman „Die Auster“ hat mich aufgrund des Klappentextes neugierig gemacht. Wir begleiten die recht ungewöhnlichen Hauptfigur Leonora. Sie ist 73, arbeitet als Reinigungskraft und entdeckt ihren Arbeitgeber Dr. Bronstett ermordet in dessen Villa. Das Merkwürdige daran: Anstatt sofort die Polizei zu rufen, beginnt sie damit, den Tatort zu putzen. Das hat dann meine Neugier weiter geweckt und ich wollte unbedingt die Hintergründe wissen.

Ich hatte zunächst einen klassischen Krimi erwartet, aber das Buch ist nur teilweise ein Krimi. Viel wichtiger sind Leonora, ihre Vergangenheit und die Leute, die in dem Kaufhaus arbeiten. Mir gefiel gut, dass dabei verschiedene soziale Schichten deutlich werden. Leonora gehört zu den Menschen, die eher im Hintergrund bleiben, aber trotzdem viel mitbekommen.

Die ruhige Erzählweise passte zum Buch, auch wenn sie mir manchmal etwas zu langsam war. An einigen Stellen hätte ich mir mehr Spannung und etwas mehr Tempo gewünscht. Gleichzeitig hat gerade diese Ruhe dazu geführt, dass ich mich stärker auf die Figuren und die kleinen Details konzentriert habe.

Leonora ist für mich die Figur, die am besten in Erinnerung bleibt. Zuerst wirkt sie schwierig zugänglich, aber nach und nach versteht man besser, warum sie so ist. Auch der Titel „Die Auster“ passt meiner Meinung nach gut: Man muss erst die harte Schale aufbrechen, um mehr über Leonora zu erfahren!! Toll gewählt.

Fazit-> Mir hat diese ungewöhnliche Mischung gefallen, auch wenn ich mir an manchen Stellen etwas mehr Spannung gewünscht hätte.


Klappentext

Der Geschäftsführer eines legendären Kaufhauses wird ermordet aufgefunden. Doch bis die Polizei am Tatort eintrifft, hat Leonora Bloch alle Spuren beseitigt, so diskret und gründlich, wie sie schon seit 45 Jahren als Reinigungskraft bei Dr. Bronstett jeder Form von Unordnung begegnet. Als die Ermittlungen in die Austernbar in der fünften Etage führen, ist man schon mittendrin im Mikrokosmos dieses Kaufhauses, das von der paradoxen Sehnsucht nach vergangener Pracht und erschwinglichem Luxus lebt. Und niemand scheint sich in dieser Welt, wo Glanz und Elend, Armut und Reichtum so entwaffnend aufeinandertreffen, besser auszukennen als die 73-jährige Leonora. Doch kennt sie wirklich alle Geheimnisse und welche hütet sie selbst?
Die gefeierte Stilistin Yael Inokai inszeniert eine Kriminalgeschichte, die ein feingefügtes Netz menschlicher Schicksale birgt.


Über die Autorin

Yael Inokai, geboren 1989 in Basel, lebt in Berlin. Ihr zweiter Roman "Mahlstrom" wurde mit dem Schweizer Literaturpreis 2018 ausgezeichnet. Für ihren Roman "Ein simpler Eingriff" erhielt sie den Anna Seghers-Preis 2022 und den Clemens-Brentano-Preis 2023. Sie ist in sieben Sprachen übersetzt.

Quelle: Verlag / vlb