Großartige Sozialstudie, mittelmäßiger Krimi
Mit ihrem neuen Buch, "Die Auster" ist Yael Inokai ein raffiniert konstruiertes, zum genauen Lesen und Rätseln anregendes Werk gelungen, das gleichzeitig eine hervorragende Sozialstudie ist. Passend zur Tiefgründigkeit dieses Buches, kombiniert mit der detailreichen Schreibweise, bei der es nicht wie bei vielen Krimis vordergründig um Spannung und eine rasch voranschreitende Handlung geht, sondern sich Zeit gelassen wird, die Charaktere ausführlich und mit vielen Facetten darzustellen, ist das Buch auch als "Roman" und nicht als "Kriminalroman" gekennzeichnet.
Diese einleitenden Worte weisen schon darauf hin, welchen Leserinnen und Lesern ich dieses Buch empfehlen kann: jenen, die anspruchsvolle, gut geschriebene Literatur mit authentisch gezeichneten Charakteren schätzen, in die eine Krimihandlung und die Auflösung eines Mordes eingebettet sind, die aber nicht hauptsächlich davon getragen wird.
Denn viel mehr als um den Mord an sich geht es für mich in diesem Buch um die Hauptfigur Leonora Bloch, eine alte Frau, die vom Leben in vielerlei Hinsicht hart geprüft wurde, früh den einzigen Sohn verlieren musste und auch mit um die 70 Jahren keineswegs ihre Rente genießen kann, sondern immer noch das Geld braucht, dass sie mit Putzen verdient.
Seit vielen Jahrzehnten arbeitet Leonora für Herrn Dr. Bronstett sowohl als private Reinigungskraft als auch in dem legendären Kaufhaus, in dem er Geschäftsführer ist. Sie ist eine Frau, die gelernt hat, sich durchzukämpfen und sich mit wenig zufrieden zu geben, aber auch, wenn nötig, für sich einzustehen.
Das Buch nimmt sich ausgiebig Zeit, um das Leben und Sozialmilieu von Leonora Bloch zu schildern, dabei ist dieses sehr interessant und authentisch dargestellt. Im Kontrast dazu erleben wir außerdem die finanziell um vieles besser gestellten Menschen der finanziellen Oberschicht rund um Herrn Dr. Bronstett, die aber, wenn man hinter die Fassade blickt, auch so ihre Schattenseiten und Probleme haben.
So gibt es gleich einige Personen, die für den Mord an Dr. Bronstett, der eines Tages von Leonora tot aufgefunden wird, verantwortlich sein könnten. Geschickt streut die Autorin dazu im Buch verschiedene Fährten und man entdeckt so manches erst bei sehr sorgfältigem oder mehrmaligem Lesen bzw. in der Diskussion mit anderen in einem Lesekreis.
Bei genauerem Hinsehen werden so einige Zusammenhänge klar und dabei zeigt sich, wie gut vieles im Buch konstruiert ist. Dennoch war für mich die letztendliche Auflösung des Mordfalles nicht ganz stimmig und hat sich für mich nicht in jedem Aspekt plausibel in die Gesamthandlung eingefügt.
Das Buch hat somit klar seine großen Stärken in den Bereichen Sozialstudie und anspruchsvoller Roman, während ich es als eher mittelmäßig einstufen würde, wenn ich es rein nach seinen Qualitäten als Krimi, der es ja nicht alleine sein will, beurteilen würde. Somit komme ich insgesamt auf gute vier Sterne für ein interessantes und lesenswertes Werk.
Diese einleitenden Worte weisen schon darauf hin, welchen Leserinnen und Lesern ich dieses Buch empfehlen kann: jenen, die anspruchsvolle, gut geschriebene Literatur mit authentisch gezeichneten Charakteren schätzen, in die eine Krimihandlung und die Auflösung eines Mordes eingebettet sind, die aber nicht hauptsächlich davon getragen wird.
Denn viel mehr als um den Mord an sich geht es für mich in diesem Buch um die Hauptfigur Leonora Bloch, eine alte Frau, die vom Leben in vielerlei Hinsicht hart geprüft wurde, früh den einzigen Sohn verlieren musste und auch mit um die 70 Jahren keineswegs ihre Rente genießen kann, sondern immer noch das Geld braucht, dass sie mit Putzen verdient.
Seit vielen Jahrzehnten arbeitet Leonora für Herrn Dr. Bronstett sowohl als private Reinigungskraft als auch in dem legendären Kaufhaus, in dem er Geschäftsführer ist. Sie ist eine Frau, die gelernt hat, sich durchzukämpfen und sich mit wenig zufrieden zu geben, aber auch, wenn nötig, für sich einzustehen.
Das Buch nimmt sich ausgiebig Zeit, um das Leben und Sozialmilieu von Leonora Bloch zu schildern, dabei ist dieses sehr interessant und authentisch dargestellt. Im Kontrast dazu erleben wir außerdem die finanziell um vieles besser gestellten Menschen der finanziellen Oberschicht rund um Herrn Dr. Bronstett, die aber, wenn man hinter die Fassade blickt, auch so ihre Schattenseiten und Probleme haben.
So gibt es gleich einige Personen, die für den Mord an Dr. Bronstett, der eines Tages von Leonora tot aufgefunden wird, verantwortlich sein könnten. Geschickt streut die Autorin dazu im Buch verschiedene Fährten und man entdeckt so manches erst bei sehr sorgfältigem oder mehrmaligem Lesen bzw. in der Diskussion mit anderen in einem Lesekreis.
Bei genauerem Hinsehen werden so einige Zusammenhänge klar und dabei zeigt sich, wie gut vieles im Buch konstruiert ist. Dennoch war für mich die letztendliche Auflösung des Mordfalles nicht ganz stimmig und hat sich für mich nicht in jedem Aspekt plausibel in die Gesamthandlung eingefügt.
Das Buch hat somit klar seine großen Stärken in den Bereichen Sozialstudie und anspruchsvoller Roman, während ich es als eher mittelmäßig einstufen würde, wenn ich es rein nach seinen Qualitäten als Krimi, der es ja nicht alleine sein will, beurteilen würde. Somit komme ich insgesamt auf gute vier Sterne für ein interessantes und lesenswertes Werk.