Im Wandel der Zeit
Leonora Bloch arbeitet seit über 40 Jahren für Dr. Bronstett. Sie reinigt sein Haus, hat phasenweise auch im Luxuskaufhaus ausgeholfen, dessen Geschäftsführer er ist. War. Denn nun liegt er ermordet und ohne Hände in seinem Wohnzimmer. Und ausgerechnet Leonora ist es, die ihn findet. "Ich bin den Spuren gefolgt und hab Dr. Bronstett neben seinem Couchtisch gefunden." berichtet sie dem Kommissar. "Und dann?" "Ich hab ..." Leonoras Stimme erstarb. Sie räusperte sich. "Ich hab dann erst mal ein bisschen sauber gemacht." Leonora kannte all seine Gewohnheiten, die Kalkflecken in seiner Dusche, das verschüttete Kaffeepulver. Sie konnte anhand Dr. Bronstetts Stimme, seiner Art zu grüßen, der Schallplatte, die er gehört hat, auf seine Stimmung schließen. Doch all seine Geheimnisse kannte sie nicht. Als in dem in die Jahre gekommenen Luxuskaufhaus eine seiner Hände zwischen den Austern des Fischrestaurants gefunden wird, wird Leonora unfreiwillig in die Mordermittlungen verstrickt.
Die Geschichte beginnt mit einem Mordfall und endet mit dessen (möglicher) Auflösung, aber ist dazwischen kein klassischer Krimi. Vielmehr entfaltet Yael Inokai ein Kaleidoskop an Figuren, Beziehungen und Verstrickungen rund um Leonora und das einst glanzvolle Luxuskaufhaus, dessen Fassade nun bröckelt. Leonora ist eine starke Protagonistin, die sich still und emsig durchs Leben schlägt, deren innere Kämpfe aber immer wieder durchblitzen. "Sie sehnte sich danach, ein Ding zu sein, ein Möbelstück, ein langweiliges Buch, dieser Wäscheständer, behangen mit Unterhosen, Unterhemden und Socken, frei von Mord und Totschlag, Steuererklärungen, verwöhnten Töchtern, die nicht mehr in ihre winzigen Kleider passten."
Yael Inokais Schreibstil hatte mich wieder von der ersten Seite an. Wie auch schon in ihrem Romandebüt "Ein simpler Eingriff" schreibt sie wunderbar nüchtern, präzise und eindringlich über dunkle Themen. Trauer, Verlust, soziale Ungleichheit, Würde, das Älterwerden und der Wandel der Zeit werden hier in einen Kriminalfall verpackt, dessen Auflösung man nicht atemlos entgegenfiebert sondern vielmehr mit Genuss folgt. Ein Buch, das entschleunigt und jetzt schon eines meiner Jahreshighlights!
Die Geschichte beginnt mit einem Mordfall und endet mit dessen (möglicher) Auflösung, aber ist dazwischen kein klassischer Krimi. Vielmehr entfaltet Yael Inokai ein Kaleidoskop an Figuren, Beziehungen und Verstrickungen rund um Leonora und das einst glanzvolle Luxuskaufhaus, dessen Fassade nun bröckelt. Leonora ist eine starke Protagonistin, die sich still und emsig durchs Leben schlägt, deren innere Kämpfe aber immer wieder durchblitzen. "Sie sehnte sich danach, ein Ding zu sein, ein Möbelstück, ein langweiliges Buch, dieser Wäscheständer, behangen mit Unterhosen, Unterhemden und Socken, frei von Mord und Totschlag, Steuererklärungen, verwöhnten Töchtern, die nicht mehr in ihre winzigen Kleider passten."
Yael Inokais Schreibstil hatte mich wieder von der ersten Seite an. Wie auch schon in ihrem Romandebüt "Ein simpler Eingriff" schreibt sie wunderbar nüchtern, präzise und eindringlich über dunkle Themen. Trauer, Verlust, soziale Ungleichheit, Würde, das Älterwerden und der Wandel der Zeit werden hier in einen Kriminalfall verpackt, dessen Auflösung man nicht atemlos entgegenfiebert sondern vielmehr mit Genuss folgt. Ein Buch, das entschleunigt und jetzt schon eines meiner Jahreshighlights!