Kein klassischer Krimi
Als Auster bezeichnet man ja gelegentlich eine Person, die für sich alleine, zurückgezogen wohnt. Dass eine abgehackte Hand in der Austern-Auslage der Fischabteilung im Kaufhaus gefunden wird, gibt dem Titel eine weitere, makabre Note.
Leonore ist aber dennoch eine Art Auster. Bescheiden, Anfang Siebzig, bessert ihre Rente auf, indem sie für Dr. Bronstett (und sein Kaufhaus) putzt.
Die Geschichte hat eine abgeklärte, oft melancholische Grundstimmung: Leonore arbeitet seit vierzig Jahren regelmäßig für Dr. Bronstett. Ihr ist klar, dass der Job als Putzkraft so ziemlich die unterste Kategorie ist. Während ihre Freundinnen, die auch als Putzkräfte angefangen hatten, in jüngeren Jahren alle Pläne hatten - und diese auch mehr oder weniger umsetzten (reich heiraten, beruflich aufsteigen, etwas anderes arbeiten), ist Leonore nie richtig von der Stelle gekommen. Sie arbeitete in anderen Bereichen, kehrte aber immer wieder zum Putzen zurück.
Und nun, da sie im Schock den ganzen Tatort gereinigt hat, ist sie wieder da. Im gleichen Kaufhaus. wird von einer viel jüngeren Mitarbeiterin "eingelernt zum kostenlosen Probeputzen". Wohl eine kleine Racheaktion, da sie sich in diesen Job hinein erpresst hat, dafür, dass sie über den Mordfall nicht mit der Presse spricht.
Und wie diese alte Dame dann unfreiwillig in den Kriminalfall hineinrutscht, obwohl sie nichts lieber wäre "als dieses Möbelstück dort, dieser Wäscheständer" - herrlich.
Äußerlich wirkt Leonore sehr ruhig und gelassen, obwohl sie eine zerstückelte Leiche gefunden hatte. Doch die Gespenster suchen sie regelmäßig heim ihr innerer Gedankenstrom lässt recht subtil erahnen, dass diese Szene sie ganz und gar nicht kalt lässt.
Beeindruckend einfühlsam lässt Yael Inokai uns teilhaben an den Nachwirkungen des Schocks, dem Innenleben dieser alten Dame, die so ganz und gar nicht den Helden ihrer TV-Krimis gleicht. Wie die Erinnerungen nach und nach erst wiederkommen. Bruchstückhaft, in Träume gebettet, assoziativ in bestimmten Situationen.
Eine Auster enthält aber gelegentlich auch eine Perle. In der unauffälligen Schale steckt also viel mehr als von außen zu vermuten.
Der Scharfsinn, der sich bei Leonore ab und zu zeigt, der einer Putzfrau in harter, missmutiger Schale nicht sofort zugetraut wird, führt am Ende zu der ein oder anderen Entdeckung. Da lag ein Telefonhörer nicht genau so, wie er war, da ist auf einem Foto jemand zu sehen...
"Die Auster" ist weniger als klassischer Krimi einzuordnen, sondern viel mehr ein Roman über einen sehr speziellen Charakter, vom Leben gezeichnet und sicherlich nicht mit Samthandschuhen angefasst. Der Kriminalfall selbst tritt dabei etwas in den Hintergrund, "Who's dunnit" wird zu einer Nebensächlichkeit. Dafür viel Menschliches, eine sehr angenehme, wenn auch manchmal etwas kryptische Sprache, die eine gewisse Aufmerksamkeit des Lesenden erfordert.
Leonore ist aber dennoch eine Art Auster. Bescheiden, Anfang Siebzig, bessert ihre Rente auf, indem sie für Dr. Bronstett (und sein Kaufhaus) putzt.
Die Geschichte hat eine abgeklärte, oft melancholische Grundstimmung: Leonore arbeitet seit vierzig Jahren regelmäßig für Dr. Bronstett. Ihr ist klar, dass der Job als Putzkraft so ziemlich die unterste Kategorie ist. Während ihre Freundinnen, die auch als Putzkräfte angefangen hatten, in jüngeren Jahren alle Pläne hatten - und diese auch mehr oder weniger umsetzten (reich heiraten, beruflich aufsteigen, etwas anderes arbeiten), ist Leonore nie richtig von der Stelle gekommen. Sie arbeitete in anderen Bereichen, kehrte aber immer wieder zum Putzen zurück.
Und nun, da sie im Schock den ganzen Tatort gereinigt hat, ist sie wieder da. Im gleichen Kaufhaus. wird von einer viel jüngeren Mitarbeiterin "eingelernt zum kostenlosen Probeputzen". Wohl eine kleine Racheaktion, da sie sich in diesen Job hinein erpresst hat, dafür, dass sie über den Mordfall nicht mit der Presse spricht.
Und wie diese alte Dame dann unfreiwillig in den Kriminalfall hineinrutscht, obwohl sie nichts lieber wäre "als dieses Möbelstück dort, dieser Wäscheständer" - herrlich.
Äußerlich wirkt Leonore sehr ruhig und gelassen, obwohl sie eine zerstückelte Leiche gefunden hatte. Doch die Gespenster suchen sie regelmäßig heim ihr innerer Gedankenstrom lässt recht subtil erahnen, dass diese Szene sie ganz und gar nicht kalt lässt.
Beeindruckend einfühlsam lässt Yael Inokai uns teilhaben an den Nachwirkungen des Schocks, dem Innenleben dieser alten Dame, die so ganz und gar nicht den Helden ihrer TV-Krimis gleicht. Wie die Erinnerungen nach und nach erst wiederkommen. Bruchstückhaft, in Träume gebettet, assoziativ in bestimmten Situationen.
Eine Auster enthält aber gelegentlich auch eine Perle. In der unauffälligen Schale steckt also viel mehr als von außen zu vermuten.
Der Scharfsinn, der sich bei Leonore ab und zu zeigt, der einer Putzfrau in harter, missmutiger Schale nicht sofort zugetraut wird, führt am Ende zu der ein oder anderen Entdeckung. Da lag ein Telefonhörer nicht genau so, wie er war, da ist auf einem Foto jemand zu sehen...
"Die Auster" ist weniger als klassischer Krimi einzuordnen, sondern viel mehr ein Roman über einen sehr speziellen Charakter, vom Leben gezeichnet und sicherlich nicht mit Samthandschuhen angefasst. Der Kriminalfall selbst tritt dabei etwas in den Hintergrund, "Who's dunnit" wird zu einer Nebensächlichkeit. Dafür viel Menschliches, eine sehr angenehme, wenn auch manchmal etwas kryptische Sprache, die eine gewisse Aufmerksamkeit des Lesenden erfordert.