Konnte mich nicht ganz überzeugen - zwischen Krimi und Gesellschaftsroman fehlte mir die Spannung

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buechermaus.liest Avatar

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Leonora Bloch reinigt seit über 45 Jahren das Haus von Kaufhausbesitzer Dr. Bronstett. Als sie ihn zu Beginn der Handlung tot in der Wohnung auffindet, beseitigt sie alle Spuren, diskret und gründlich wie immer, bevor die Polizei eintrifft. Die Ermittlungen in dem Fall führen in die Austernbar in der fünften Etage des Kaufhauses, in dem Dr. Bronstett Geschäftsführer war. Wo Armut und Reichtum, Glanz und Verfall aufeinandertreffen, kennt sich Leonora aus, denn sie hat selbst im Kaufhaus gearbeitet. Aber kennt sie alle Geheimnisse und welche hütet sie selbst?

Ich war sehr gespannt, das tolle Cover hat mich direkt angesprochen und die Ausgangslage ist vielversprechend. Trotzdem konnte mich der Roman am Ende nicht richtig überzeugen. Leonora ist eine interessante Protagonistin, sie macht es dem Leser nicht leicht mit ihrer oft ruppigen und verschlossenen Art. Schon zu Beginn hatte ich das Gefühl, dass sie uns als Leser nicht alles verrät, nur beiläufig erfährt man Details aus ihrem Leben und ihrer Vergangenheit. Seltsam distanziert und emotionslos führt uns die Protagonistin durch die Geschichte. Hier hat mir vor allem die Spannung gefehlt, zum Weiterlesen musste ich mich an einigen Stellen zwingen. Die Nebenfiguren bleiben meist blass und ohne Tiefe, was aber zur Handlung und der Atmosphäre gut passt, die ebenso grau und farblos bleibt an einigen Stellen. Die Handlung plätschert eher dahin, irgendwann hatte ich das Gefühl, dass es nicht mehr um den Mord an Dr. Bronstett geht, auch wenn Leonoras Gedanken zur Geschichte beitragen, nehmen sie die Spannung raus. Der Erzählstil ist angenehm zu lesen und wechselt sich zwischen Nüchternheit und fast schon poetischen Elementen.

Von "Die Auster" habe ich insgesamt mehr erwartet, trotz toller Ausgangslage schöpft die Geschichte für mich nicht ihr volles Potenzial aus.

3,5/5 Sternen